Chohrwurm a.d.Zykl. "Chohrringerl" - H. Fischer Komp.+alle Tracks
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Nous sommes Paris?

 

Bestürzt, ergriffen, betroffen, wir verurteilen, wir verdammen.

Was bleibt einem auch über, nach solchen Wahnsinnstaten.

Wobei ich in dem Zusammenhang Schwierigkeiten mit dem Begriff Wahnsinn habe. Diese Leute sind zurechnungsfähig, ihre Taten ganz genau geplant, unterstützt von einer gewieften Logistik.

Der Wahnsinn, den sie verbreiten, ist ein gesellschaftlicher. Er ist das Spiegelbild unseres gesellschaftlichen Wahnsinns.

Es hat in der Geschichte der Menschheit immer wieder solche Attentate lokalen Terrors gegeben. Vielleicht nicht in diesem Ausmaß, dieser perfiden Planung Unschuldige zu töten.

Aber haben wir schon Colombine vergessen? Zwei  jugendliche Täter, ohne Hoffnung auf irgend eine menschliche Zukunft, geschult von Videospielen, die auch wahllos Unschuldige, Schulkamerad/inn/en, erschossen. Und die weiteren Anschläge jugendlicher Attentäter?

Und jetzt in Paris. Die Mehrheit der Täter waren zwischen 15 und 19 Jahren alt.

Ich bin bestürzt, ergriffen, verzweifelt, verurteile und verdamme, wenn ich die hilflosen Kommentare der politischen Spitzen höre, von  denen  die meisten sich auf Symptombeurteilung              und -bekämpfung  reduzieren.

Unsere Kinder wachsen auf in einer Welt einer spürbaren Klimakatastrophe, einer Welt von permanenten Kriegen um die Vorherrschaft irgendwelcher mafiösen Kapitalgruppen in Ländern und Regionen, die Menschen in gigantischer Zahl ihrer Zukunft berauben, sie zu Flüchtlingen machen und die in naher Zukunft noch viel mehr in eine verzweifelte Flucht treiben werden. Unter Todesgefahr, weil sie nichts mehr zu verlieren haben.

Einer Welt, in der „Gutmensch“ und „Opfer“ Schimpfworte geworden sind.

Und sie flüchten in eine Welt, von der sie glauben, dass sie ihnen helfen wird. Eine Welt, in der das gesellschaftlich notwendige Profitstreben, die Automatisierung, der gnadenlose Konkurrenzkampf, die rücksichtslose Rationalisierung immer mehr Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut treibt. In der es keine objektive Gewichtung von Schicksalen und Schicksalsschlägen gibt. Nur mehr die „Durchsetzungsfähigkeit des Ich’s“, der „Erfolg“ zählen.

Die Anschläge von Paris, entsetzlich, keine Frage. Durch kein noch so großes Unrecht zu entschuldigen. Aber schon vergessen: Antalya, 10 Oktober, ein Anschlag auf eine Friedensdemonstration! In der die Kurden zur Beendigung der Auseinandersetzungen aufgerufen haben. Ebenfalls 128 Tote. Und? Wo war da der vergleichbare internationale Aufschrei?

Oder bei den fast täglichen Massenmorden durch Anschläge im von den USA völkerrechtswidrig „befreiten“ Irak? Alltagsgeschehen. Bestenfalls noch eine Fußnote in den Nachrichten wert.

Was sind den Al Quaida, die verschiedenen mittelalterlichen Terrorgruppierungen des Dschihad und ihre modernen Ausgaben, wie der sognannte „Islamische Staat“, anderes als kapitalismusorientierte, konkurrierende Mafiafirmen, die junge Menschen so manipulieren können, dass sie glauben für eine bessere Welt zu kämpfen? Oder diesen Glauben wenigstens für sich aufrecht erhalten zu können, um ihre abscheulichen Verbrechen durch eine „höhere Macht“ zu rechtfertigen. Sie sind alle zum „Folgen“ erzogen worden. Jetzt folgen sie halt Führern oder irgend welchen Göttern, die sie für sich als Ersatz für eigenes Leben erkennen und erfinden. Es ist ja nicht nur Allah!

Oder sind die „christlichen“ fundamentalistischen Amerikaner, die reihenweise Wahnsinnskriege führen, anders motiviert? Doch mitnichten! Die USA sind in ihrer politischen Ausrichtung ein fundamentalistischer Gottesstaat, so wahr mir Gott helfe!

Es fehlt nur deren Eintrag der dschihadistischen, zum Teil von Saudi Arabien und Quatar finanzierten, „Befreiungsorganisationen“ ins internationale Firmenregister, gleich neben Haliburton, Goldman & Sachs u.Co. Aber diesen Eintrag erledigen sie ja gerade mit Feuer und Schwert...

„Nous sommes Paris“! Ein liebenswert hilfloser Ausdruck der Bewältigung des Grauens. Na ja, Paris ist so etwas wie das lebenslustige Herz Europas. Warum aber nicht „Nous sommes Antalya“? Oder besser „Biz Antalya vardir“? Oder „Wir sind Bagdad“? „نحن بغداد - نحن بغداد - nahn baghdad“?

Oder gar: „Nous sommes Mittelmeer“? Wo zehntausende dem Kriegs- und Klimaterror erliegen?

Und der Herr Hollande, einer der widerlichsten Politikerkarikaturen der Gegenwart, bringt nichts anderes zu Stande, als in seiner kleingeistigen Großmannssucht Öl ins Feuer zu gießen. Man kann Terror nicht mit Terror bekämpfen. Auge um Auge bringt keine Lösung, macht höchstens blind. (Nach Frank Schätzing „Braking News“).

„Krieg, das ist Krieg!“ Die lange Zeit des angeblichen Friedens nach dem Zweiten Weltkrieg? Haben nicht allein die USA auch nur in einem der Jahre danach nicht immer irgendwo Krieg geführt? Unter mehr oder weniger internationaler Beteiligung? Kalter Krieg, heißer Krieg – egal! Beide mörderisch.

Die Jugendlich sind aufgewachsen mit dem Bewusstsein, dass kriegerische Gewalt die Lösung ist. Mit entsprechenden Fluten von Videospielen. Ich weiß schon: nicht jeder der solche Spiele spielt wird zum Massenmörder oder geht zur IS. Aber ALLE der terroristischen Jugendlichen haben nachweislich solche gespielt. Anders Breivik hat gemordet wie in den Videospielen, mit denen er trainiert hat, mit Lauten der Begeisterung und des Erfolges bei jedem Treffer.

Und sagt mir bitte nicht, da gibt es keinen Zusammenhang. Die meisten Terrorattentäter, die wildesten IS-Mörder, sind in Europa sozialisiert, oder besser asozialisiert worden. Mit „teletubbies“, vertrottelten Kinderserien, Gewalt-, Horror-, Psychofilmen und Videospielen. Und durch eine Wirklichkeit, die in nichts mit dem übereinstimmt, was als „unsere Werte“ ständig beschworen wird.

Sie stehen ohnmächtig vor einer Zukunft die ihnen Angst macht. Angst heißt übersetzt „Terror“. Meine Angst, meine Ohnmacht überwinde ich am radikalsten, wenn ich anderen Angst machen kann, Herr (oder Dame) über Leben und Tot bin und, als Rechtfertigung und Ausrede, meine persönliche Unschuld beschwören kann, mit einer „höheren Macht“, irgend einem „richtigen“ Glauben, irgend einem Kampf für eine „bessere Welt“. Sie glauben dass sie dieses System bekämpfen. In Wahrheit verschärfen sie es.

Die Frage „wem nützt es“ steht auf der Tagesordnung. Doch nur den rückwärtsgerichteten Kräften auf dieser Welt, den Rüstungs- und anderen Monopolen. Und deren Vollzugsgehilfen, ihren Gesinnungskameraden der europäischen Rechten, Pegida etc., die dankbar diese Steilvorlagen nützen können, um gegen Ausländer und Flüchtlinge vorzugehen.

Die gleichen nützlichen Idioten, eine andere Couleur. Islamisten sind nichts anderes als Faschisten. Punktum.

Oder wissen wir nicht, dass die Nazis ihren Terror, ihren Massenmord mit dem Kampf gegen den Terror begründet haben?

 

15.11.2015

1.heimische Lenkwaffe

 

Wir freuen uns über eine neue Österreichische Erfindung durch die christliche Außenministerin Mikl-Leitner:

DER LENKZAUN!

Sie will den auf Grund der angeblich enden wollenden Geduld, angeblich der Bevölkerung, mit den Flüchtlingen, wenn’s sein muss im Alleingang. Hoffentlich wird der Allein-gang das Nadelöhr, durch das ein Kamel wie unsere täglich mehrmals neu gestylte Innenministerin gehen muss. (Ich warte nur darauf, dass bei Ihren Auftritten im TV ein Insert eingeblendet wird: unsere Innenministerin „ausgestattet von...)

Nach ihrer Definition soll der Zaun nicht sperren sondern die „Ströme“ lenken (und leitnern). Das ist doch eine der sensationellsten Erfindungen der Neuzeit, der Lenkzaun! Nur böse Zungen behaupten, das sei ein wenig Kurz-sichtig. Diese großen Politikfiguren haben ihr Ohr eben immer an der Stimme der Bevölkerung. Im Parlamentsklub zum Beispiel. Oder bei den Dinners mit den Österreichischen Steuer- und Wirtschaftsflüchtlingen aus der sogenannten Wirtschaft. (Die ehemaligen sozialistischen Länder vermissen ihre eisernen Vorhänge offensichtlich am meisten. Das sind die Vorbilder unserer Rechtspolitiker/innen.)

Liebe menschenverachtende Politiker/innen: die Geduld der Flüchtlinge, die mit Frauen und Kindern unter Einsatz ihres Lebens die Meere überqueren, könnte auch enden wollend sein.

Und unsere, die wir für eine menschliche Welt eintreten, sowieso!

12.11.2015

Ein Text zur Flüchtlingsproblematik von meiner Tochter

Lena Dermutz am 28. Juli 2015 auf facebook 

 

"Was machst du gerade?"

 

Diese Frage steht bei jedem der Facebook nutzt, in dem Feld, in dem man seinen Status aktualisieren kann. Also. Was mache ich?

Ich bin entsetzt. Ich bin entsetzt über das was ich in sogenannten "sozialen Netzwerken" lese. Über Statusaktualisierungen von "Freunden". Über ihre Kommentare zu Postings von Zeitungen und Politikern. Über ihre "Gefällt mir" Angaben auf Seiten von Rechtspopulisten und Kommentaren von Menschen, die offen zu Mord und Totschlag aufrufen.
Und dann frage ich mich, warum diese Menschen sich überhaupt in "sozialen Netzwerken" tummeln.... Seit wann ist es sozial menschenverachtende Zustände und rassistisches Gedankengut zu verbreiten? Was ist an "Stellt's die alle an die Wand" sozial?

Je länger ich darüber nachdenke in welcher Welt ich lebe, in welcher Welt meine Kinder vielleicht groß werden müssen, wenn ich welche bekomme, desto größer wird meine Angst.

Auf der einen Seite, regen sich Tausende Menschen über die fehlende Zivilcourage und die wachsende Aggression von Jugendlichen auf. Auf der anderen Seite aber, werden Aggressionen und Gewalt befürwortet und unterstützt. Seht ihr denn nicht, wie pervers verdreht diese Einstellung ist? Wieso sollten Kinder lernen, dass Gewalt nicht in Ordnung ist, wenn sie verherrlicht wird? Wie sollen junge Menschen Respekt vor Leben haben, wenn ihr ihnen diesen Respekt vor dem Leben anderer nicht vorlebt?

Und welche Argumente werden gegen Menschen heutzutage vorgebracht?
"Die haben alle Smartphones und Markenklamotten!" "Die kommen doch nur zu uns, weil sie sich in unserem Sozialsystem ausruhen wollen."
"Das sind alles Wirtschaftsflüchtlinge!"

Ungeachtet der TATSACHE dass die Menschen aus Kriegsgebieten flüchten! Aus Ländern in denen sie verfolgt, bedroht, gefoltert oder getötet werden können. Wann haben Menschen das Recht verloren, sich ein besseres Leben zu wünschen? Und wer verwehrt ihnen diesen Wunsch? Menschen die im Luxus leben! Was ist die Definition von Luxus... Luxus heißt, dass man sich Dinge leistet, die man nicht zum Leben braucht. So. Jetzt könnte natürlich argumentiert werden, dass Handys per Definition Luxusgüter sind. Stimmt. Also ist ein Handy für einen Flüchtling ein Luxusgut? FALSCH! Was tun wir und damit meine ich jetzt mal den ultimativen Durchschnittseuropäer, mit unseren Smartphones? Wir surfen im Internet. Der Großteil von uns macht das auch nicht, um lebensnotwendige Informationen zu erhalten. Wie oft habe ich mich selbst oder meine Freunde schon dabei erwischt, dass man einfach aus Fadesse im Internet surft. Ist ja auch nix verwerfliches dabei. Aber das ist Luxus. Kein Luxus ist es hingegen, wenn man über dieses Smartphone die einzige Möglichkeit in den Händen hält um mit der Familie, die man in einem Kriegsgebiet zurücklassen musste, in Kontakt zu bleiben. Weil man schlicht und ergreifend wissen möchte: "Sind die Menschen die ich liebe und die ich zurücklassen MUSSTE noch am Leben?". Das ist kein Luxus. Der Wunsch zu wissen ob es meiner Familie gut geht ist kein Luxus. Auch "Markenklamotten", auch wenn nur ein verschwindend geringer Teil der bei uns lebenden Flüchtlinge überhaupt welche trägt, sind kein Luxus! Den Menschen die sie tragen ist es schlicht und ergreifen SCHEISS EGAL was sie da tragen. Es handelt sich um Kleidung. Punkt. Wer hat bitte das Recht, einem anderen Menschen zu verbieten Kleidung zu tragen? Was denkt ihr denn, was sie in ihrer Heimat anhatten?? Bananenblätter? Nein! Überraschung: auch in Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem Iran, dem Libanon usw. kennt man Jeans und T-Shirt. Und jetzt kommts... Auch dort besitzen die Menschen Handys!! Hammer oder? Und jetzt kommts.... meist ist es nur ein Handy pro Familie! Man stelle sich vor, nicht jeder zehnjährige rennt mit einem Smartphone herum. Irre oder??? 
So und jetzt stelle man sich folgende Situation vor: man lebt mit seiner Familie in einem Dorf, mitten im Kriegsgebiet. Scheiße oder? Was tut man also, wenn man die Bomben in ein paar Kilometern Entfernung einschlagen hört? Jetzt mal mit ganz banalem Menschenverstand: wenn meine Familie und mich jemand mit etwas angreift, das uns auslöscht ... und ja Bomben löschen dich schlicht und ergreifend aus. Man wird in seine Einzelteile zerfetzt und zwar so, dass hinterher niemand mehr weiß, wer oder was du eigentlich bist. Ja gut, oder man fliegt durch die Luft und es werden nur deine inneren Organe zerrissen - YEY! Dann können deine Verwandten dein Gesicht noch erkennen!! ... so also was tut man, wenn dir und deinen Lieben diese Gefahr droht. MAN RENNT WEG! Man bleibt nicht stehen und schreit: na komm schieß doch du Weichei! Nein. Man schnappt sich alles was man irgendwie greifen kann und flieht. Das eine Telefon inbegriffen, mit dem man die Möglichkeit hat, Freunde und Verwandte zu informieren inbegriffen. Hosen, Shirts und andere Kleidung auch inbegriffen! Ich zieh mich nicht vorher aus und renn Splitterfasernackt durch die Gegend, nur damit ich besonders arm ausschauen und andere sich dann vielleicht besser fühlen, weil sie dem Nackerbatzl helfen können. So. Gut. Also man flieht. Wohin flieht man, wenn das Land in dem man lebt angegriffen wird? Jaaaawohl, zur Grenze, damit man das Land verlassen kann. Das geht aber nicht so einfach, wie man sich das erhofft hat. Man stelle sich vor: nach Tage- manchmal Wochenlangen Fußmärschen mit Kleinkindern, Alten, Kranken und Verletzten kommt man, vorausgesetzt alle überleben die Strapazen, an der Grenze an und steht... vor einem Zaun. Vor diesem Zaun haben sich bereits andere Menschen gesammelt und "Lager" gebildet. Also bringt man die Familie mal in eines dieser Lager. Und dort hat man... nix. Keine medizinische Versorgung. Kaum Essen, Wasser oder Unterbringungen. Warum? Weil zu den meisten Sammelstätten gar keine humanitäre Hilfe gelassen wird. Weil nämlich deswegen hat man ja den Zaun! Da kommt nix rein und nix rauß? Wieso komme trotzdem Flüchtlinge zu uns? Weil es Menschen gibt, die aus dieser Notlage von anderen immer noch Profit schlagen können. Wir kennen sie als Schlepper. Die Menschen die auf der Flucht sind kennen sie als "Diejenigen die uns eine Möglichkeit bieten hier rauß zu kommen". Schlepper verlangen Geld. WAAAAAAAAAS Flüchtlinge haben Geld??? Ja! Die haben nämlich ihr leben lang gearbeitet und wuhuhuuu noch so ein überraschender Fakt - die arbeiten auch nicht alle auf Selbstversorger Höfen! Verrückt, oder? So gut, jetzt gibt man dem Schlepper alles an Geld und Wertgegenständen die man irgendwie hat um dann zu hören "Das reicht aber nur für einen von euch." Scheiße. Was also tun? Eigentlich möchte man nichts anderes, als seinen Sohn, oder seine Tochter in Sicherheit bringen. Aber alleine? Mit einem wildfremden mitschicken? Dafür sind viele schlicht und ergreifend zu klein oder zu schwach. Die Mutter losschicken? Nein. Die Kinder brauchen ihre Mami. Der Vater... er hat am meisten Kraft. Er kann am ehesten in der Fremde Arbeit finden um die Familie nachzuholen oder Geld zu ihnen zu schicken. Also macht er sich auf den Weg. Das Smartphone bleibt meist bei der Familie. Damit er dann weiß, wo er anrufen kann...

Und? Wer wundert sich noch, dass hauptsächlich Männer flüchten? Dass von dem ersten Geld, dass man bekommt, ein Telefon angeschafft wird? Ich wunder mich nicht...

Was erhoffen sich die Menschen, die nach Europa flüchten? HILFE! Nichts anderes als Hilfe!! Und was bekommen diese traumatisierten Menschen? Sie kommen...in ein Lager. Gut, spricht ja nix dagegen. Jetzt ist das Lager aber völlig überfüllt, weil kein Platz für sie da zu sein scheint. Der Platz den es gibt, in leerstehenden Kasernen oder das Nova-Rock Zelt... Nein, heeee, das geht, nicht, das geht einfach nciht, dann wärs ja nimma leer!! Doch nicht nur, dass durch Krieg, Flucht und Verlust traumatisierte Menschen ohne Schutz vor Witterung am Boden schlafen müssen... Es wird gegen sie demonstriert. "Wir wollen euch hier nicht. Schleichts euch do hin wo ihr herkommts!" Ja Entschuldigung, glaubt ihr wirklich, dass sie nicht lieber in ihrer Heimat wären? Bei ihren Familien? Ihrer Arbeit nachgehen wollen, ihr Leben leben??? Natürlich nicht! Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Leben, dass ich mir aufgebaut habe und der Möglichkeit in einem fremden Land in dem ich anscheinend nicht erwünscht bin am Boden herumzukugeln ohne zu wissen, was morgen mit mir passiert, dahinzuvegetieren und gehasst zu werden, damit ich mich auf meinen 40€ im Monat ausruhen kann... Ja da wüsste ich auch für was ich mich entscheiden würde! Letzteres natürlich. Klingt auch total verlockend.

Asylsuchende Menschen, die zu uns kommen, tun das nicht, weil’s so leiwand bei uns ist. Sie nehmen all dies auf sich, weil sie keine andere Möglichkeit haben.

Und? Was erwartet sie? Brennende Unterkünfte. Schüsse. Hasstiraden und brüllende Menschenmassen, die ihnen den Tod Wünschen.
Aber wehe sie beschweren sich!

Die sollen gefälligst froh sein, dass sie überhaupt was kriegen!!
Stimmt’s??

Und... was machst du?

 

Formularbeginn

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DAS WUNDER ERZIEHUNG

 

         Wenn ich mir „die Glatzen“ so anschaue, die schwer gestörten Vaterlandsverteidiger, die mörderischen „Frauen an den Herd Schicker“, die brutalen Frauenvertilger, die besoffenen „Retter des Abendlandes“ und ihre Gefolgsweiber, frage ich mich, was hat diese Menschen so zerstört. „Welche Kälte muss über die Menschen gekommen sein? Wer schlägt da so auf sie ein?“ (Bert Brecht)

         Und finde in diesen Fragen schon die Antwort: In Kälte aufgewachsen und geschlagen. Hilflos im Sinne einer Ordnung „erzogen“, die von Tür zu Tür, von Haus zu Haus, von Gesellschaftsschicht zu Gesellschaftsschicht, von Klasse zu Klasse, von Religion zu Religion, von Land zu Land in ihren Vorstellungen ganz unterschiedlich ist und doch einem gemeinsamen Prinzip folgt: dem der „Erziehung“.

         Erziehung zum „Folgen“. Das Kind hat „zu folgen“, damit es ein „folgsames Kind“ wird. Das man herzeigen kann. Für das man sich nicht schämen muss. Je nach Bildungsnotstand, der auch als Bildungsstand ausgegeben wird, sind die Mittel körperlich oder psychisch drakonisch, oder beides.

         Gleich vorneweg: ich habe nichts gegen Erziehung, so wie ein Gärtner in seiner Baumschule die Pflanzen „erzieht“. Er muss den für sie jeweils richtigen Boden bereiten, die Sonne, die sie brauchen und den besten notwendigen Dünger. Dann ist die Wahrscheinlichkeit am Höchsten, dass eine gesunde Pflanze „erzogen“ wird. (Symptomatisch für das Denken in unserer Gesellschaft, dass der Begriff „Baumschule“ negativ besetzt ist.)

         Man stelle sich vor: ein Gärtner setzt die Pflanzen in irgend einen Boden, gibt ihnen nicht die richtige Nahrung, versorgt sie nicht mit den für ein gesundes Wachstum nötigen Stützen. Und wenn dann nix draus wird schlägt er sie „zur Strafe“ oder/und stellt sie „zur Strafe“ in ein finsteres Winkerl. Wenn dann noch genug Scheiße in dem Winkerl ist, kann schon noch was heraus kommen: ein Pendant zu den Glatzen. Oder ein bildungsbürgerlicher Reaktionär, der „brav sein“ will und dass auch alle anderen so brav sind, wie er. Aus Mädchen werden dann wahlweise gewaltabhängige oder/und gewaltfördernde Frauen. Die die männliche Stärke, nach der sie sich sehnen, mit Brutalität verwechseln.  

         Es ist das Erziehungsprinzip, das in allen Gesellschaftsbereichen, -ordnungen, -schichten greift: das Prinzip „Folgsamkeit“. Ohne dass auch nur im geringsten darüber nachgedacht wird, dass jemand die/der „folgt“ auch immer jemanden braucht/sucht, dem sie/er folgen kann. Die/der ihnen möglichst die Verantwortung für ihr Tun abnimmt!

         Es ist das Prinzip der Erziehung zur Verantwortungslosigkeit.

         Was herauskommt sind im Extremfall empathiefreie, ignorante „Lebewesen“, für die Verbindlichkeit eine Existenzbedrohung bedeutet. Also ein Spiegelbild eines Großteils unserer Gesellschaften. Da brauche ich denn gar nicht mehr auf die total zerstörten „Glatzen“ und ihre Gefolgsweiber zu schauen (Gendergerechtigkeit muss schon sein!), da genügt mir ein Blick in den medialen Alltag mit seinen ekligen Politikclustern, der Hilflosigkeit gegenüber allen Rülpsen vom rechten Rand der Gesellschaften, der Sehnsucht, das „endlich einmal durchgegriffen wird!“ Von wem? Na von jemandem, dem man verantwortungslos folgen kann. (Das kann natürlich auch eine Ideologie sein, der man sich ergibt.)

         In unserem hilflosen „Erziehungssystem“ wird dann zum Beispiel nach „hervorragenden Lehrern“ gesucht, anstatt nach einem System, das Menschen, die Lehrer werden wollen, ermöglicht „gute“, hervorragende Lehrer zu sein!

         Und da wird immer noch bestraft und die Gefängnisse gefüllt. Beispielhaft sind die USA, wo jetzt sogar die finstersten Republikaner laut darüber nachdenken den Strafenkanon etwas zu erleichtern, weil die Gefängnisse überfüllt sind (Gefängnis für Ladendiebstahl z.B.). Aber natürlich nur, weil das dem Staat zu teuer kommt. Oder die islamistischen (nicht die islamischen) Staaten, die für „Vergehen gegen die Ordnung“ Frauen steinigen (nicht die Männer), Ladendieben die Hand abhacken und Blogger zu Tode peitschen. Aber mit Erdölgeldern sich das internationale Recht erkaufen. (Diese Art der Bestrafung ist übrigens bei uns noch gar nicht so lange her. Da wurden sogar Tiere für „Vergehen“ bestraft.) Das alles zeigt doch nur wie obsolet unsere Erziehungssystem ist und wie nahe das geistige Mittelalter, mitsamt Internet und Bildungsministerien.

         Und es zeigt auch, dass Bildung eben nicht das Anhäufen von gerade wirtschaftlich „Notwendigem“ ist. Und schon gar nicht das Herrschaftswissen gesellschaftskonformer Eliten. Bildung muss bei den Grundlagen einer allgemeinen Empathiefähigkeit anfangen. Alles Weitere ist Spezialisierung. Aber bitte, Freunde, wie soll das in einer Gesellschaftsordnung, die nur auf Erfolg, Profit und Konkurrenz aufgebaut ist möglich sein? Egal ob sie Islamistisch, religiös fundamentalistisch (USA), oder sonst wie reaktionär aufgebaut ist? Also kapitalistisch.

         Natürlich – ehe ich’s vergesse: Da gibts dann natürlich auch noch, wie immer, die Kehrseite der Medaille. Die Kinder, die ohne Anleitung durch ihre völlig verunsicherten und schuldgefühlbehafteten „Erziehungsberechtigten“ ebenfalls keinen Begriff von Sozialität, von Empathie bekommen. Kleine Egomonster auf dem Weg zu Egoshootern. Auch keine Alternative – mit einem ähnlichen Ergebnis.

         Und so wird, oh Wunder, aus dem Prinzip Erziehung, mit oft bestem Wünschen und Wollen, sein Gegenteil, das mithilft diese Welt in den Abgrund zu reißen.

 

Heino Fischer, 25.10.2015 (geschrieben in Kroatien, mit Blick auf die engen Weiten des Mittelmeeres)

WIRTSCHAFTSFLÜCHTLINGE ZURÜCKSCHICKEN

 

Ich sag’s gleich: Ich bin dafür!

Ich bin dafür, das wir die Wirtschaftsflüchtlinge zurückschicken! Die ganzen Großkonzerne, Multinazis und Banken, die mit ihren Produktionsstätten und Verwaltungsclusters, aus „wirtschaftlichen Gründen“, in die Billiglohnländer flüchten! Das sind tatsächliche Wirtschaftsflüchtlinge, denen man dringend das Handwerk legen sollte, das heißt sie aus den Ländern ausweisen, in die sie zur Profitmaximierung geflüchtet sind. Zurück in ihre sicheren Herkunftsländer. Und gleich die unvorstellbaren Milliardenbeträge mit, die sie und andere Sozialschmarotzer vor ihren Finanzämtern ins für sie „sichere Ausland geflüchtet“ haben. Das sind Sozialschmarotzer vom Feinsten!

Und nicht „Bitte! Bitte!“ sagen, sofort verhaften, diese Schädlinge unseres Sozialsystems und „Her mit der Kohle! Her mit der Marie!“ schreien, wie unsere populistische Innenministerin Mikl-Leitner, wie sie sich erfolgreich für den Vorsitz beim ÖAAB beworben hat. Na da haben sich ihre Freunde im Wirtschaftsbund aber auf die Schenkel geklopft und Tränen gelacht, wie sie das gehört haben. „Super unsere Johanna! Die ist ja noch besser wie die Schottermizzi! (Das war der wirtschaftsinterne Spitzname der wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilten, trotzdem Innen- und Finanzministerin gewordenen(!), Maria Fekter.)“

Da hätte sie was zu tun, unsere stets Bekämpferin der Wirtschaftsflüchtlinge. Ausweisen, die ausländischen Oligarchen und anderen Wirtschaftsflüchtlinge mitsamt ihrem Milliarden, die sie in Österreich gebunkert haben, steuerfrei! Zurück in ihre Herkunftsländer und dort schön brav Steuern berappen, wie sich’s gehört!

Freunde, ich hab sooo einen Hals, wenn ich dieses verlogene Gerede höre über die armen Hunde - und Hündinnen natürlich – die in ihren Ländern keine Arbeit mehr finden und wenn sie Glück haben für Schandlöhne in den Ländern arbeiten dürfen, in die ihre Wirtschaftsmarodeure das Geld verschleppen, das sie in ihren Herkunftsländern ergaunert haben.

Freunde, jetzt ist mir aufgefallen, ich habe einen Fehler gemacht: ich habe falsch zitiert! 

Unsere allseits beliebte Innenministerin hat nicht geschrien „Her mit der Kohle! Her mit der Marie!“ sondern „Her mit dem ZASTER! Her mit der Marie!“

Erfreulich, dass sich unsere Innenministerin im Zusammenhang mit der Reichenbesteuerung eines Wortes befleißigte, das meist für unrecht erworbenes Geld verwendet wird. 

Und überdies aus Wikipedia: Der Begriff Zaster stammt aus der Sprache der Sinti und Roma, er leitet sich von dem Wort „saster“ für Eisen ab.

Das lässt uns doch hoffen, was die Politik des Innenministeriums gegenüber den Sinti und Roma betrifft!

 

heifisch  (Oktober 2015)

 

Hurra!

„Das Griechisch Volk hat gewählt und sich für Stabilität entschieden.“ So ungefähr lautet der Tenor in allen unseren vielfältigen Medien. Na ja, das versteht man doch! Wer wünscht sich nicht Stabilität?

Moment, äh, das Griechische Volk? 55% Wahlbeteiligung höre ich gerade.

Na gut, eine repräsentative Mehrheit der Bevölkerung – immerhin deutlich mehr als in den USA wählen gehen. 55%. Davon haben 35% Tsipras gewählt. Ich bin ja ganz schlecht in Mathe, aber nach meiner Einschätzung über meinen überbeanspruchten Daumen sind das dann nur bei knapp 19% des Griechischen Volkes. Was für eine Mehrheit! Toll – im Vergleich zu den USA. Da bestimmen ja nur ca. 10% welcher Milliardär das Land regieren darf.

Na ja, Milliardär ist er ja noch nicht, der Alexis.

Ich gestehe Euch jetzt was: ich habe das erwartet. Oder besser befürchtet. Schließlich habe ich aus der Geschichte gelernt, was mir auch jetzt nix nützt.

„Wenn das Unrecht gesiegt hat, hat das Unrecht doch nicht recht.“ Bertolt Brecht. (Das reimt sich sogar!)

Na das ist jetzt aber die dicke Keule, die Du da auspackst, Fischer! Unrecht? Schließlich ist Griechenland eine Demokratie und da wird halt so gewählt und wenn sich halt die Hälfte der Bevölkerung gegens Wählen entscheidet, Pech gehabt!

Stabilität: das stimmt schon. Tsipras hat mit einem Federstrich einen tatsächlichen Volksentscheid, bei dem 61,31% der Bevölkerung absolut(!) sich für ein Nein gegen die Erpressungen der EU-Troika entschieden haben, also eine tatsächliche Mehrheit in der Griechischen Bevölkerung, im Sinne der sogenannten Troika, ignoriert und ausgelöscht. Wenn das kein Beweis für eine demokratische Haltung ist! Von so einem Schock erholt man/frau sich nicht so leicht. Es war ein tatsächlicher Beweis für Stabilität. Er hat die Politik seiner Vorgänger im Sinne der Troika fortgesetzt – das ist die Stabilität, die gewählt wurde. Warum hätten sie den langweiligen alten Vertreter des Systems wählen sollen, wenn sie den jungen, flotten Sonnyboy Tsipras für die gleiche Politik wählen können! Das ist die Stabilität die 19% der Griechen gewählt haben.

Er hab das Griechische Volk hinter sich, behauptet Tsipras frech! 19%? Was er hinter sich hat ist eine Revolution die von der Mehrheit der Bevölkerung getragen wurde! Was er erreicht hat für einen großen Teil der Bevölkerung ist: Wozu sollen wir wählen gehen, die machen doch sowieso was sie wollen! Richtig. Und das ist für mich auch einer der Gründe, warum die linke Opposition nicht gewählt wurde. Nicht weil die Griechen nichts von ihnen halten, sondern weil sie eben sagen, das sind zwar gute Leute, aber die können eh nix machen, da wollen wir jetzt lieber eine Ruhe haben.

Was wir hier erleben ist kein Sieg sondern eine schlimme Niederlage für die Demokratie! Und schon gar kein Sieg für „Die Linke“ wie Herr Bartsch, der stellvertretende Parteivorsitzende im Morgenjournal behauptete. Mit seinem unsäglichen Geschwätz auch über „Wachstum das endlich wieder möglich ist“ und Demokratie hat er gezeigt wohin ein Teil der Linken driftet, wenn sie zu lange im Parlament sitzt. Das ist doch jetzt schon linkes Grundschulwissen, dass es erst mal nicht um diese unsägliche Wachstumspolitik geht, bei der  die Reichen immer reicher werden, sondern erst mal um Umverteilung! Oder waren sein Aussagen eine Bewerbung für die SPD – dann bitte, Herr Bartsch, konsequent sein und schnell wechseln!

Ich wäre ja auch froh über einen Sieg der Linken. Aber dieses Wahlergebnis einer von allen tatsächlich konsequent Linken bereinigten Syriza in einen Sieg der Linken umzudeuten, mit einem Parteivorsitzenden, der einen Ultrarechten Freund Israels und der USA herzt und ihn zum Verteidigungsminister macht,  schaffe ich einfach nicht.

Altersverbitterung? Mitnichten. Aber ein bisschen Blick für die Realität und was dahinter steht, wenns gestattet ist. Und wenn ich schon versuche aus der Geschichte zu lernen. Wer sich mit den Ultrarechten ins Bett legt steht nur mehr als Leche auf.

Ich erinnere noch einmal an das wörtlich Zitat des Slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico zu Griechenland: “Yes, we created a protectorate. Why is this bad?” Und wer ist jetzt der EU-Protector?

 

heifisch (Oktober 2015)

Sads ned so neidig!

 

Einer meiner Lieblingsvorwürfe reicher Menschen und ihrer Vasallen an die Linke ist der des Neides. Und dann sitzen auch kluge Leute oft mehr oder weniger betropetzt herum, denn wer will denn schon neidig sein!

Es geht aber nicht um Neid Freunde, es geht um Gerechtigkeit!

Die Diskussion ist keine individuelle, sie ist eine strukturelle.

Ganz lieb ist auch ein im obigen Zusammenhang immer wieder verwendetes „Argument“: „Die Reichen haben das Geld doch nicht gestohlen!“ Patsch, das sitzt! Was soll man da noch sagen – wenn man in den Kategorien individueller Schuld denkt. No do samma don wida schmäschdad!

Natürlich haben die  Reichen das Geld nicht gestohlen im Sinne eines Einbruchs oder eins Banküberfalls. Obwohl letzteres der Sache schon näher kommt. Nur im umgekehrten Sinn: die Banken berauben im „Auftrag“ ihres Klientels und des Finanzkapitals die arbeitende Bevölkerung. So sieht’s aus! Natürlich lautet der Auftrag nicht im biblischen Sinn: ‚Gehet hin und beraubet die Menschen!’ sondern: ‚Mehret was unser ist!’.

Und bei „mehret“ kommt der Mehrwert ins Spiel, also das, was die sogenannte werktätige Bevölkerung in den Betrieben, sei’s Produktion oder Dienstleistung, erwirtschaftet.

Nun hat ja niemand was dagegen, wenn die Unternehmer für ihre organisatorische -, Ideen- und Verantwortungsarbeit den Teil des Mehrwertes für sich behalten, der ihnen fraglos zusteht. Da aber setzt der tatsächliche Diebstahl ein: Schwarzgeldkonten, Steuerbetrug, private Stiftungen usw. die Liste ist lang. Und zu allem Überfluss zahlen auch noch die, die den Mehrwehrt erwirtschaften, die Steuer dafür. Das ist doch völlig absurd! Und niemanden scheint das zu stören oder aufzufallen!

Lasst uns doch für ein Gesetz streiten, dass die Mehrwertsteuer endlich bei denen eintreibt, die den Mehrwert, den ihre Arbeiter und Angestellten und freien Mitarbeiter für sie erwirtschaften, für sich einstreifen. Denn das ist Diebstahl an Volksvermögen, das dann in Form von Luxusyachten, Privatflugzeugen an uns vorbeizieht oder in Luxusimmobilien geparkt wird. Ohne Diebstahl am Volksvermögen, in welcher „legalen“ Form auch immer, kann niemand reich werden!

Was glaubt ihr, Freunde, wie sich nur die Preispolitik ändern würde, wenn die privaten Aneigner des gesellschaftlich produzierten Reichtums die Mehrwertsteuer selber zahlen müssten! Das kann sich jede/r selber ausmalen.

Es geht eben um Gerechtigkeit und nicht um Neid. Es geht eben um den Krieg Reich gegen Arm. Es geht um Diebstahl an Volksvermögen. Und nicht um Einbrüche oder Taschendiebstahl.

 

heifisch, 13.8.2015

DAS SYSTEM DER INSTITUTIONALISIERTEN TÄUSCHUNG

 

 

Die Mogelpackung FPÖ

 

Lasst mich mit der leidigen FPÖ beginnen als „Exemplum“.

Ich bin ganz sicher, dass viele Menschen die FPÖ wählen, weil sie wollen, dass sich etwas ändert. Sicher mehr als zB. die SPÖ. Sie meisten Menschen, die ich kenne, die sich der SPÖ zugetan fühlen, wählen die Partei nicht um noch was zu verändern – die Hoffnung haben sie schon längst aufgegeben – sie wählen sie, um zu retten, was noch zu retten ist. Aus vielleicht konservativerer Sicht wählen wahrscheinlich die ÖVP-Wähler. Abgesehen von den „traditionellen Wählern“. Das ist natürlich meine subjektive Sicht der Dinge, ich bin ja kein Wissenschafter. Also muss ich meine eventuellen Irrtümer auch nicht wissenschaftlich begründen...

Die FPÖ wird von vielen gewählt, die das Herumgeeiere der standardisierten Parteien satt haben und wollen, dass sich was ändert. Die Rechten spielen immer und überall die Gegner „des Regimes“. Das ist historisch nix Neues. Sie fordern irgend eine Freiheit für irgend welche mündigen Bürger. Und die Möchtegernmündigen, getrieben von der Angst um Verlust des Arbeitsplatzes, der Existenz, glauben den scheinkritischen Lügen der Straches, Kickls und Konsorten und können nicht sehen, dass diese Herrschaften die radikalsten Kapitalismusvertreter sind, die das bestehende Unrecht, den menschendisziplinierenden Bürokratismus zB., gar nicht beseitigen wollen, sondern die Zustände im Sinne ihrer Finanziers verschärfen. Die FPÖ ist eine einzige Mogelpackung.

Aber nachdem ja die Burschen und Mädels aus der SPÖ, die es an „die Spitze“ geschafft haben, mehr oder weniger nur mehr um die Rettung ihrer Pfründe kämpfen, haben die „Freiheitlichen“ ein leichtes Spiel sich als freiheitskämpfende Gesellschaftsveränderer zu verkaufen

 

 

Die Hilflosigkeit der Gesellschaftskritik

 

Es ist ja nicht so, dass keiner erkennt wie der Kapitalismus die Welt zerstört und dass unsere Kinder und Kindeskinder bald ums Überleben kämpfen müssen, auf einer, mit sich potenzierender Geschwindigkeit, zerstörten Welt. Aber zu einem großen Teil haben die Menschen aufgegeben, resigniert, oder handelnd nach dem Motto: rausholen was möglich ist, wenn schon „alles den Bach runtergeht“. Und sie gehen gar nicht mehr wählen oder nur noch um zu retten... siehe oben. Oder sie verfallen einem aufstiegsorientierten Zynismus, der in der „Erkenntnis“ gipfelt: „die Menschen sind halt so“. Eine Haltung, die mich besonders anwidert.

Und die Medienvertreter/innen, mehr oder weniger gleichgeschaltet, schon mit dem existenzangstgenerierten Zensor im Kopf, kommen ihrer „Verpflichtung“ zur kritischen Berichterstattung doch höchstens mit Symptomkritik nach. Da wird an Symptomen herumgedeutelt und herumkritisiert, dass es „nur so eine Freude“ ist. Eine Freude für alle, die noch über Dummheit lachen können. Klar: fundamentale, radikale, also an die Wurzel gehende Kritik würde, wenn nicht gleich, so doch im Wiederholungsfalle die Existenz kosten. Da streiten wir doch lieber um Methoden der Kapitalismusbehübschung, wie das die „Grünen“ tun, deren Hauptklientel ja die Besserverdienenden mit schlechtem Gewissen sind. Wobei sich die konsequenteren und ehrlicheren Vertreter des grüngelogenen Wirtschaftsliberalismus in Österreich bei den sogenannten „Neos“ versammelt haben. Deren Ideen im Übrigen gar nicht so „neo“ sind.

Und „die Linke“ verliert sich oft in selbstaufopferndem Aktionismus, der kaum etwas anderes bewirkt, als die Demonstration der eigenen Hilflosigkeit. So sie sich nicht, wie auch ich manchmal, in eine Art resignatives Kopfkino zwischen Nostalgie und Verzweiflung zurückzieht. Bei der „Linken“ in Deutschland kommt noch so etwas wie ein parteitragender und sogar ansatzweise staatstragender Pragmatismus dazu: bei allem Respekt ist das die offene Tür in die Anpassung. Wir werden sehen.

Die Maschinerie einer auf Profit orientierten Bereicherungsgesellschaft, das ist jetzt meine pessimistische Sicht der Dinge, lässt sich kaum noch aufhalten. Wie sollte man profitgebundene Betriebe dazu bringen mit der Umweltzerstörung, der Vernichtung von Regenwäldern, der permanenten Produktion von Müll durch Obszoleslenz, der Zerstörung menschlicher Existenzen aufzuhören? Das geht gar nicht! Alles was man „dem System abtrotzen“ kann dient doch höchstens zu seiner Verschönerung, zur Verschleierung der zerstörerischen Wirklichkeit. „Kapitalismus light“ sozusagen.

Die meisten Menschen leben doch nicht (mehr) um etwas sinnvolles zu schaffen oder zu tun – sie leben um Geld zu verdienen, um innerhalb des Systems zu überleben. Und selbst denen, die sich dem entziehen wollen, bleibt kaum etwas anderes über.

 

... Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, dass du hast! / Aber wie kann ich essen und trinken, wenn / Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und / Mein Glas einem Verdurstenden fehlt? / Und doch esse und trinke ich...

Bertolt Brecht hat das Dilemma in „An die Nachgeborenen“, für mich eines der großartigsten Gedichte der Weltgeschichte, schon vor dem 2. Weltkrieg beschrieben. (Die Geschichte wiederholt sich als Farce – frei nach Marx.) Und er hat auch verstanden, dass Resignation keine Antwort ist. Dass man in einer erfolgsorientierten Gesellschaft durchaus um seinen persönlichen Erfolg kämpfen muss. Wem der „Ruch des Versagers“ anhaftet, wer es selbst „zu nichts gebracht hat“, den nimmt man nicht sehr ernst, wenn er „die Gesellschaft kritisiert“. Er ist „ein Fuchs, dem die Trauben zu hoch hängen“, einer der kritisiert, weil „er es selber nicht geschafft hat. Ein Versager eben. Auch wenn vielleicht was dran sein könnte an dem was er sagt, er kritisiert halt nur, weil er es selber „zu nix gebracht hat“.

 

 

Die Infantilisierung unserer Gesellschaft

 

Gebt den Kindern das Kommando / sie berechnen nicht was sie tun / Die Welt gehört in Kinderhände / ... / Kinder an die Macht.

 

Herzig. Tja, lieber Herbert Grönemeyer, so passiert’s, wenn man etwas naiv seinem Wunsch nach einer besseren Welt nachgibt: dass man in die offenen Fallen und Messer des Kapitalismus läuft. Nicht mehr oder weniger wünschen sich die berechnenden Kinder, die an der Macht sind, von uns restlichen Erdenbewohnern. Die Degeneration Erwachsener, oder erwachsen Werdender, zu konsumierenden und spielenden Kindern. Die Umkehrung der pubertären Entwicklung sozusagen. Das zur Erziehung der „braven“ Kinder so gerne gebrauchte „geh schön spielen“ als Lebenshaltung in einer von der Spielkasinomentalität getragenen Lebenswelt.

Ist schon fast gelungen: die Degeneration der Spielhallen mit Hilfe einer unglaublich gigantischen Computerspieleindustrie sozusagen auf die ganze Menschheit zu übertragen. Es wollen doch alle brave Kinder sein, oder? (Besonders die schlimmen, nebenbei.)

Was hat denn die schrecklichsten Verwerfungen der Weltgeschichte hervorgebracht: in ihrer Entwicklung steckengebliebene Kinder an der Macht. Die berechnen nämlich sehr genau, was sie tun. Und da brauch ich gar nicht erst an Hitler zu denken. Die Beispiele aus der Weltgeschichte sind Legion: infantilisierte machtgeile Monster.

Wir brauchen endlich reife Erwachsene „an der Macht“.

 

 

Kapitalismus als das System der institutionalisierten Täuschung

 

Ein Beispiel:

Star wars! Eine Erfindung utopiehungriger Träumer für utopiehungrige Träumer. Ein realitätsnaher Kindergarten in eine realitätsferne Zukunft versetzt. Krieg der Sterne! Whow! So weit weg und doch so nah! Alles ganz lebensecht. Und die utopiehungrigen träumenden „Kinder“, die das Ganze erfunden haben, haben ganz schnell ihre Macht entdeckt und ein Merchandisingsystem von bis dahin nicht geahnten Ausmaßen geschaffen, dass die Anhänger zu einer Art religiösen Sekte von infantilen Gläubigen degeneriert. Eine Geldmaschine von ungeahnten Ausmaßen.

Beispiel aus der Merchandisingmaschine gefällig? Das einmonatige(!) Star Wars Spiel von McDonalds hat dem Konzern 750.000.000.- $ gebracht, in Worten: siebenhundertfünfzig Millionen US Dollar! Und das Star Wars Merchandising hat den Erfindern und Betreibern im Hintergrund bisher 16.000.000.000 € gebracht (Sechzehn Milliarden Euro, wenn ich mich bei den Nullen nicht vertippt habe). Laut einer Dokumentation von arte/ZDF.

Der Kapitalismus lebt von der Infantilisierung der Massen. Wie ein Manager (nicht vom Star Wars Merchandising übrigens) in dieser Fernsehdoku ganz offen gesagt hat:

Die Menschen sollen wie Kinder ohne Nachdenken sagen, wenn sie unsere Produkte sehen: das will ich haben. Das ist unser Ziel. Das wollen wir erreichen.

In den ehemaligen sozialistischen Versuchsländern wurden die Menschen zwar gesetzlich bevormundet, aber das Ziel war soziale, erwachsene, denkende Menschen zu formen, die sich um eine lebensgerechte menschliche Entwicklung und Kultur kümmern. Leider hat sich die Bevormundung gewissermaßen verselbständigt. Wenn man Menschen zu selbstbestimmten, denkenden Wesen „erziehen“ will, muss man sie auch als solche ernst nehmen und darf sich nicht wundern, wenn tatsächlich selbständig denkende Individuen entstehen. Auch wenn einem das Denken das herauskommt nicht ins Bild passt. Restriktionen führen dann zur Katastrophe. (Aber vielleicht ist es der Begriff Erziehung an sich, der nicht stimmt. Ich habe dazu a.a.O. geschrieben.)

Im Kapitalismus gibt es die viel beschworene Individualität gar nicht mehr, die man den angeblich gleichgeschalteten Menschen in den sozialistischen Ländern abgesprochen hat. Die 68er Träume sind in einem produktorientierten Konsumismus gelandet, der die Menschen zunehmend zu kindlichen Konsumjunkies macht: ich, ich ich, will ham, ham, ham...

In den  Franchisesystemen bietet der Verkaufsirrsinn den Menschen religionsähnliche Projektionsflächen. Und das ganze wird noch getoppt durch die Perversion der berechtigten Forderung Kinder zu selbständigen Menschen zu erziehen: wenn Kinder den größten Scheißdreck haben wollen, dann darf man ihnen das nicht verbieten, weil man sonst die „kleinen Seelen“ in ihrer selbständigen Entwicklung behindert. Und so werden unter „fortschrittlichen“ Auspizien, statt sozial denkenden Menschen, besitzorientierte, asoziale Monster kreiert. Die konsumieren, solange sie noch können.

 

 

Erziehung zur Egozentrik

 

Eine große Marketingchefin aus der sogenannten Wirtschaft hat das in eben dem Fernsehbeitrag tatsächlich so formuliert: „Die Kinder haben doch Geld und können selber denken! Da darf man sie doch nicht behindern!“

Schmecks! Das ist das perverse Spiel mit den Schuldgefühlen verunsicherter Eltern – die selbst zu Abhängigen, also Kindern gemacht werden sollen. Mit Hilfe ihrer Kinder! „Erwachsenenprodukte“ werden „kinderfreundlich“ gestylt, vom Lebensmittel bis zum Auto, und die Kinder entscheiden mittlerweile was gekauft wird - und dass gekauft wird! Und die Erwachsenen mutieren selber zu Kindern, abhängig von der Meinung ihrer Sprösslinge. Das ist leider keine Vermutung von mir, das ist gelehrte Marketingstrategie!

Alle Konsumenten sollen schön brav sein: „Geh brav spielen, tu brav aufessen, tu schön austrinken, brav lernen usw.“ Und dann werden die braven Kinder belohnt. Womit? Mit Konsumartikeln!

 

 

Das System der Belohnung

 

Belohnung ist der Treibstoff im kapitalistischen Motor. Unser ganzes System beruht mittlerweile auf dem Kalkül der Belohnung. Womit wir wieder beim Spielen angelangt sind: die Computerspiele funktionieren wie alle Spiele über das System der Belohnung. Und sie kanalisieren sogar noch die Kreativität von Menschen und kanalisieren sie, nicht ohne Profit für die Betreiber, in sinnlose Tätigkeiten an Computern, in den eigenen vier Wänden. So werden über Merchandising immer mehr abhängige Konsumjunkies produziert, die die einfachsten gesellschaftlichen Zusammenhänge nicht mehr durchschauen können.

Und das ist ganz im Sinne der rechten Parteien und ihrer Finanziers. Diese Herrschaften werden ja auch gerne in unserer Gesellschaft als „Geldgeber“ tituliert, sind aber in Wahrheit ausschließlich Geldnehmer!

Die BWL-geschulten Strategen haben für die erwünschte Entwicklung zu einem Volk von spielsüchtigen, realitätsverweigernden Konsumjunkies auch schon ein wunderbares Wort gefunden: gamefication! Natürlich in Englisch, da klingt’s besser. „Verspielerung“ klingt tatsächlich scheiße und lässt sich auch nicht so gut verkaufen! Sic!

Das Suchtverhalten von Spielern auf die gesamte Konsumentenwelt zu übertragen, das ist das Ziel, ja die Sehnsucht der „Kinder“ an der Macht.

Dopamin als Verkaufsstrategie, Spieleapps für alle Produkte. Ich habe die Vision von Menschen in Käfighaltung, hinter riesigen Bildschirmen, auf denen man ihnen sogar Tageslicht einspielen kann, natürlich gegen Bezahlung, und auch verschiedene Frischluftarten, natürlich auch gegen Bezahlung, während sie, falls sie noch Arbeit haben, diese ebenfalls am Computer erledigen. Reisen wird auch am Computer erledigt. Und Sexualität gibt’s mit gefühlsechter Automation als Videoapp. Und ergänzend als Videospiel. Das ist übrigens schon zum Teil Gegenwart.

 

 

Die kanalisierte Gesellschaftskritik

 

Womit wir wieder bei der FPÖ und internationalen Konsorten gelandet wären. Die sich ja nur in ihren menschenverachtenden Extremismen unterscheiden. Die Straches, Le Pens, Wilders und wie sie alle heißen mögen, sind sozusagen – im Moment – nur die „Light“-Versionen der mörderischen faschistischen Organisationen, von der NSU bis zum sogenannten Islamischen Staat.

Na so was, wie kommt der jetzt von den Computerspielen zur IS?

Ganz einfach: der absolut größte Teil der IS-Kämpfer rekrutiert sich aus unseren „computerspielgesteuerten“ sogenannten westlichen Ländern. Denen ist die Mentalität der Menschen in deren Ländern und für die sie vorgeblich kämpfen, genau so fremd wie den Menschen hier. Auch wenn sie einen sogenannten „Migrationshintergrund“ haben mögen oder nicht.

Wenn man die Lächerlichkeit der „kritischen“ Diskussionen hierorts beobachtet, die nur an Symptomen und bestenfalls ihrer Beseitigung orientiert sind, wundert man sich nicht mehr, wenn zukunftslose, verzweifelte Jugendliche und Ältere, die von den ganzen inhaltlosen Erfolgsprozessen unserer Gesellschaft angewidert sind, sich brutal radikalisieren. Ob sie nun individuelle Schulattentäter werden oder organisierte Massenmörder. IS und andere Terroristen sind häufig in ihrer relativen gesellschaftlichen Isolation pervertierte kindliche „Egoshooter“. Und sie marschieren, ähnlich wie die Menschen, die Hoffnung auf die gesellschaftsverändernden Kräfte der Rechten setzen, in die Falle von kapital- und profitorientierten Mörderfabriken, die von skrupellosen Profiteuren und ihren Finanziers, also Geldnehmern, geleitet werden. Ich schlage vor die ganzen Terrorismusfirmen, inklusive der mit ihnen artverwandten mafiösen Gruppierungen, in das internationale Firmenregister aufzunehmen, damit man sieht, was sie in Wirklichkeit sind: profitorientierte Firmen, unter anderem auch dazu aufgebaut den Waffenmultis zu Umsatz zu verhelfen und die alten, also unbrauchbaren, weil nicht mehr profitablen, Kriegsgeräte, zu zerstören. Platz für das Neue!

Und hinten nach marschiert dann die restliche Wirtschaft im Verbund mit der „Nachbar in Not“ Kriegsverschönerungs-, Wohltätigkeits- und Wiederaufbauindustrie: Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade. Johann H. Pestalozzi vor 160 Jahren.

Und die mitwirkenden Verführten haben das Problem aller Gläubigen: sie müssen begründen und verteidigen an was sie glauben. Und wofür sie morden - auch nichts Neues in der Geschichte der Religionen!

Und der IS- und mit ihm verwandte Firmen arbeiten inzwischen hochprofessionell, mit Computeranimation vermischt mit realen Aufnahmen, videospielartig, merchandised über das Internet. Mit Logos, Symbolen und auf T-Shirts gedruckten Schriftzügen, die keiner versteht, aber die „geil“ sind.

In ihrer Männlichkeit, durch aberwitzige, emanzipationsfeindliche, feministisch überzogene Diskussionen völlig verunsicherte Burschen, häufig aus der zweiten oder dritten Generation von muslimischen Einwanderern, wähnen sich wieder als „richtige“ Männer, wenn sie „für eine gute Sache“ mordend durch die Länder ziehen. Und als Pendant ihre verunsicherten weiblichen Gegenstücke, die mit den weichgeklopften Bubis nichts mehr anfangen können und glauben in den IS-Kämpfern ihre Sehnsucht „nach dem starken Mann“ und einem unselbständigen, verantwortungslosen Leben erfüllen zu können. Das ist auch ein perverse Ergebnis einer völlig „verdrehten Frauenbefreiungsdiskussion“, die die eigentliche, unbedingte Notwendigkeit der Emanzipation der Frau, als vielleicht wichtigsten Teil der Emanzipation des Menschen, aus den Augen verloren hat.

 

 

Angst als gesellschaftlicher Handlungsmotor

 

Was dahinter steckt ist Angst. Die realistische Angst zu scheitern, verstärkt durch die Realität des schuldlosen Scheiterns. Schon in den Disziplinierungsanstalten, Schulen genannt, wird den meisten jungen Menschen klar, dass sie keine Zukunft haben. Was nützt die beste Ausbildung, wenn die Firmen aus Profitgründen in den Konkurs getrieben werden. Wozu lernen, wenn sie täglich vor Augen geführt bekommen, dass nur Skrupellosigkeit zu Macht und Geld führt. Und nicht Intelligenz oder gar Allgemeinbildung. Erfolg wird doch nicht durch Leistung entschieden, sondern durch Rücksichtslosigkeit, Skrupellosigkeit und Gewinnorientierung. Alle anderen, die sich um menschliches Miteinander bemühen, sind doch „Loser“, oder „Opfer“. Skrupel, Rücksichtnahme und soziales Denken und Handeln sind aber unabdingbare Säulen einer funktionierenden menschlichen Gemeinschaft.

Denken, insbesondere kritisches, ist für den Kapitalismus höchst gefährlich. Er braucht unselbständige, spielende, habenorientierte Kinder, die leicht verführbar und leitbar sind. Solange sie noch gebraucht werden. Wenn nicht mehr, kommen sie auf den Müllhaufen der Geschichte, hilflos, staunend was mit ihnen geschieht, in den Ghettos oder auf den Schlachtfeldern oder als Flüchtlinge auf den Meeren, tatsächlich dem Untergang geweiht.

Und die noch gebraucht werden erhalten Kreditkarten als Spielgeld, damit sie nicht merken, was sie ausgeben, bis sie nichts mehr haben – siehe oben. Der Bankeinzug als Konsumsteigerungsmittel ist auch eine schöne Variante...

Und egal was Du kaufst, es gibt immer etwas Besseres: ich muss haben, haben, haben!

 

Angst zurückzubleiben.

Angst nicht mehr dazuzugehören.

Angst zu versagen.

Angst als Kaufs- und Verkaufsmotiv.

Angst als gesellschaftlicher Handlungsmotor.

Angst die viel beschworene Freiheit zu verlieren.

 

Und wem kann man leichter Angst machen als Kindern?

Hingegen: Manche ängstlichen Kinder demonstrieren Macht indem sie anderen Kindern Angst machen.

Wenn ich mich mit der Waffe in der Hand als Herr/in über Leben und Tod fühle kann ich meine Angst verdrängen.

 

Kinder an die Macht?

Die sind doch schon längst dort!

 

Der Kapitalismus ist eine infantilisierte Freiheitsmogelpackung.

Und alle seine Parteienvertreter auch.

 

 

Altersweisheit statt Kindergarten?

 

Ich habe eingangs über meine pessimistische Sicht der Dinge gesprochen, jetzt kommt meine vorübergehend optimistische. Die sogenannte „New Age“ Bewegung, von der keiner genaueres wusste, als das sie esoterisch angehaucht und angeblich gegen das „Establishment“ war, war ja noch geradezu eine revolutionäre Bewegung im Vergleich zu dem was folgte: die „Anti Age“ Bewegung. Grundelte erstere noch in den Tümpeln der 68er ergab sich die letztere dem Schwachsinn einer Hoffnung auf Unsterblichkeit. Die Diskriminierung alternder Menschen und ihren Ausschluss aus dem was man Leistungsgesellschaft nannte und nennt war und ist eines der konsequentesten Ergebnisse des explodierenden Kapitalismus und des Scheiterns der ersten (und vielleicht letzten?) Versuche eine menschliche, sozialistische Gesellschaftsordnung aufzubauen, mit dem fernen Ziel eines Kommunismus. Von dem, wie gesagt keiner weiß oder wissen konnte, wie er aussehen wird, auch wenn manche kommunistische Funktionäre, nach oberflächlichem oder gar nicht Studium der Herren Marx und Engels, behaupteten ihn schon erreicht zu haben. Sehr zur Freude der glühenden Antikommunisten, die die schillernde Täuschungswelt des Konsumismus gegen die langsamere Entwicklung der sozialistischen Staaten und ihren bürokratischen und rechthaberischen Verwindungen locker ausspielen konnten. Und die naive und inhaltlich völlig verquere Forderung der Apparatschicks, „den Kapitalismus einzuholen und zu überholen“ war in Wirklichkeit nicht von sozialistischem Bewusstsein getragen, sondern schon eine hilflose Antwort auf die kapitalistische, glitzernde Scheinwelt. Eine auf humane künstlerische und kulturelle Entwicklung ausgerichtete Gesellschaft, die nicht auf der gnadenlosen Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht, muss sich in der Produktion zwangsläufig langsamer entwickeln, als der Kapitalismus. Das hätten sie sehen und verteidigen müssen.

Ach ja, die optimistische Sicht: ich habe den Eindruck, dass sich aus der Niederlage der Linken und ihrer vorübergehenden Lähmung neues zu formen beginnt. Zerstreut und zersplittert, noch, aber doch auch auf Wegen der Gemeinsamkeit, getragen von den „älteren Semestern“, die aus der Geschichte gelernt und nicht aufgegeben haben, so etwas wie eine „Ätsch Age“ Bewegung. Während die Jugend und die dem Jugendwahn verfallenen, sich teils wie Marionetten von der Wirklichkeit in eine Spielewelt ver-führen lassen, erwächst aus den grauen Semestern etwas, was dem großen Grauen entgegenzusetzen ist: Eine Art geriatrische Antikultur der Erneuerung, getragen von den Erfahrungen der Älteren. Zaghaft, leise, aber doch mit wachsendem Selbstbewusstsein. Zumindest empfinde ich das in meinen privaten Gesprächen und Diskussionen so – wie gesagt, ich bin ja kein Wissenschafter. Außerdem werden wir immer mehr! Überlassen wir den Jüngeren ihre iPhones, iPods und Smartphones, lassen wir sie solange durch diese Scheinwelt taumeln, bis sie am nächsten Baum der Verzweiflung durch Arbeitslosigkeit anrennen und sich hilflos umblicken. Und dann müssen wir zur Stelle sein! Das wars auch schon, mit meiner optimistischen Sicht...

 

(wird fortgesetzt)

 

Social Freezing

 

( bezeichnet das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund. Diese Möglichkeit gibt Frauen, die sich ihren Kinderwunsch aktuell nicht erfüllen können (etwa weil ihnen der passende Partner dazu fehlt), größere Chancen auf eine Schwangerschaft jenseits des Alters von etwa 35 Jahren. Ursprünglich war die Eizell-Konservierung für junge, an Krebs erkrankte Patientinnen gedacht, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen. WIKIPEDIA)

 

Soziales Frieren – damit lässt sich der gegenwärtige Zustand unserer Gesellschaft höflich beschreiben; soziales Frieren beginnt nun bereits pränatal.

Kostet natürlich – die Befreiung der Frau ist da nix für sozial frierende Minderbemittelte. (Das Elend hat sich noch immer selbst finanzieren dürfen, damit manch, wenige es schön warm haben.)

So endet das Leben nicht nur in der Tiefkühltruhe. Nun ist es möglich es auch dort beginnen zu lassen.

Soziales Frieren von der Wiege bis zur Bahre – ein Programm, das jetzt promotet und finanziert wird vom „social“ network facebook.

Seid dabei, friends!

 

Patrizia Ehrenfried-Fischer

 

(16.5.2015)

ÜBER DIE INDIVIDUALISIERUNG GESELLSCHAFTLICHER PHÄNOMENE

 

Unsere Gesellschaftsordnung braucht Opfer, sogenannte Unschuldige. Und noch mehr: Täter. Schuldige.

Je nach Sichtweise „Gute“ und „Böse“. „Gläubige“ und „Ungläubige“.

Die kapitalistische Gesellschaftsordnung braucht, um zu funktionieren, die Individualisierung menschlichen „Fehlverhaltens“. Als ob es irgend ein Verhalten gäbe, das unabhängig von der gesellschaftlichen Möglichkeit existieren könnte.

Anders ausgedrückt: die fast völlige Beliebigkeit von terroristischen Anschlägen z.B. zeigt, dass allein die Möglichkeit sie auszuführen genügt, um sie tatsächlich zu exekutieren.

Das Ziel der Täter/innen ist Angst zu erzeugen um die eigene Angst, die eigene Inferiorität zu besiegen. Für einen Augenblick der Macht, im Extremfall bezahlt mit dem eigenen Tod.

Die Perversion der Gewalt hat sich in der menschlichen Gesellschaft aus dem tierischen Verhalten entwickelt töten zu müssen um selbst überleben zu können. Das ist de facto längst schon nicht mehr nötig.

Aber eine Gesellschaftsordnung, die die ungerechte Verteilung, also das Recht des Stärkeren (kaschiert durch den Begriff: Geschickteren), unter dem Motto „bereichert euch“ zur Maxime des Handelns erhebt, ermöglicht Gewalt nicht nur, sie produziert sie auch.

Um die Kapitalinteressen durchzusetzen. Es glaubt doch niemand, außer den Beteiligten selber, dass der IS oder die anderen islamistischen Terrorgruppen für den Islam kämpfen. Sie kämpfen natürlich in erster Linie für die Interessen ihrer Finanziers. Aber sie brauchen die Rechtfertigung ihres Verhaltens durch den sogenannten „Glauben“, dann sind sie „Gute“.

Tatsächlich geht es nur um Konkurrenzkapitalismus.

An Hand der Auseinandersetzungen in der sogenannten „arabischen Welt“ wird das für jeden sichtbar, der nicht nur den tagesgepressten Nachrichten, welcher Couleur auch immer, lauscht und glaubt.

Der IS wird finanziert von Saudi Arabien, Katar und den anderen wahabitischen Interessens- und Kapitalgruppen. Der Vorwand: ein Glaubens(!)krieg zwischen Sunniten und Schiiten. Ganz einfache Frage: Warum lassen die Saudischen Oligarchen und ihre Verbündeten im Jemen die von den sogenannten schiitischen Rebellen eroberten Gebiete ohne Rücksicht auf Verluste bombardieren, nicht aber die vom vorgeblich sunnitischen wahabitischen IS eroberten Gebiete? Weil es um kapitalistische Macht- und Einflusssphären geht und sonst nichts.

Politisch erleben wir einen Rückfall weit hinters Mittelalter, in dem die Fürsten=Warlords ihre Interessen im Namen und Interesse übergeordneter Mächte durchkämpften. Auf der Strecke blieb und bleibt immer das gläubige Fußvolk.

Es ging und geht immer um finanzielle Macht- und Einflusssphären, niemals um irgend einen Glauben.

Aber immer vordergründig, als Rechtfertigung für das eigene Tun, um Gut gegen Böse, Gläubige gegen Ungläubige. Und letztendlich immer um die Rechtfertigung unseres kapitalistischen Systems. Die zahllosen Journalisten, Kommentatoren, Politiker wären durchaus in der Lage die Zusammenhänge zu durchschauen und an die Wurzel der Probleme zu gehen. Aber damit würden sie ihre eigene Existenz gefährden. Also lavieren sie immer an der Oberfläche der Ereignisse dahin, betreiben Symptombehandlung, oder –behübschung und stehen immer irgendwie hilf- oder ratlos vor den sich immer mehr zuspitzenden Ereignissen. Dann wird sich im Notfall darauf ausgeredet, dass die Menschen eben „so sind“. Und dann hilft auch nur mehr der Glaube

Als ob, siehe oben, sich irgend ein individuelles Phänomen entwickeln könnte, wenn es nicht gesellschaftlich möglich wäre. Was erwartet man von Jugendlichen, die dieser gewaltsamen, zutiefst ungerechten Welt ohne Zukunftschancen hilflos gegenüberstehen, gefüttert von permanenten Gewaltfilmen und –videospielen, in denen nur eines verherrlicht wird: das Recht des Stärkeren, kaschiert durch das scheinbare Recht des Geschickteren, Intelligenteren. Sie wollen Sicherheit, Recht und Ordnung (was denn?) und merken nicht, dass diese Begriffe – nicht nur in ihren Köpfen – längst ins Gegenteil verkehrt wurden.

Wir alle sind geprägt von der Perversion des „gläubigen“, des gewaltverherrlichenden Denkens. Ob wir wollen oder nicht. Auch die Linke rutscht immer wieder ind die Welt des Glaubens. Linke habens nur ein wenig schwerer sich eine Rechtfertigung zu basteln. Ich erinnere mich an eine alte Genossin, die auf meine berechtigten Tiraden gegen den Glauben sagte: „Ach ja, ich war eine sehr gläubige Kommunistin.“

Nicht dass Gewalt, schon als Selbstschutz, aber auch zur Durchsetzung von Gerechtigkeit (mir fällt jetzt kein weniger schwammiger Begriff ein) unnötig wäre. Das wäre eine unnütze, die Wirklichkeit negierende, letztendlich naive Haltung. Ganz im Gegenteil. Wir leben eben in einer Gesellschaft die Gewalt nicht nur ermöglicht, sondern tatsächlich notwendig macht. Die Dialektik ist eben keine Einbahnstraße einer linearen Entwicklung.

Wir können und müssen nur darauf hoffen und daran arbeiten, dass sich die Kräfte durchsetzen, die für eine Beseitigung der kapitalistischen Verhältnisse kämpfen.

Die faschistischen Ideologen und Ideologien und rebellischen Gruppierungen operieren immer auch damit, dass zuerst einmal alles kaputt gemacht werden muss, um etwas Neues aufzubauen. Das ist natürlich völlig im Sinne des Kapitals – nichts bringt so große Umsätze wie Krieg und Zerstörung. Leider muss man halt die Konkurrenten fürchten und bekämpfen – der Teufelskreis.

Keine faschistische oder faschistoide chauvinistische Bewegung hat jemals den Kapitalismus als ganzes in Frage gestellt. Sie haben eben immer die Probleme individualisiert. Siehe oben. In „schaffende“ gegen „raffende“ Kapitalisten. In „rechtgläubige“ gegen „anders- oder ungläubige“. In „gute“ oder „böse“ Kapitalisten. Und schaffen es immer wieder hilflose, abhängige oder von der Ungerechtigkeit der Verhältnisse verwirrte zu Handlangern zu machen. Zu Tätern und Opfern in Einem.

 

(18.April 2015)

L U N Z E R  S P A Z I E R G Ä N G E

(Schlaflos in Lunz Ende März 2015)

 

Bereichert Euch!

 

Im Kapitalismus Korruption zu bekämpfen ist nicht möglich.

Korruption ist Teil der Bereicherungsideologie.

Ob man das jetzt als Honorar, Vermittlungsgebühr, Tantiemen oder einfach als Schwarzgeld bezeichnet, ist einfach nur eine Frage der Etikettierung. Oder des Etikettenschwindels.

In einer Gesellschaftsordnung über der der unsichtbare oberste Leitspruch „bereichert euch“ hängt, entspricht die Korruption, auch wenn gebetsmühlenartig ständig von ihrer Bekämpfung die Rede ist, dem System der Bereicherung.

Steuerhinterziehung, Schwarzgeldkonten, der sogenannte Wirtschaftsbetrug, sind in kapitalistischen Unternehmen, die ja auf Profitmaximierung der Eliten ausgerichtet sein müssen, „state of the art“, wie es so schön heißt. Das „do ut des“, also ich gebe, damit du gibst, ist der Treibstoff und das Schmiermittel gleichzeitig.

Jetzt fragen sich so manche: „Was heißt ‚kapitalistische Unternehmen’? Kann es denn anderes Unternehmertum geben, als kapitalistisches?“

Na freilich, Freunde! Gerade sozialistisch, also am Gemeinwohl orientierte Gesellschaften, brauchen unternehmerisches Denken! Gerade fortschrittliche Innovation, die nicht auf restloser Ausbeutung und somit Vernichtung der irdischen – sprich menschlichen - Ressourcen ausgerichtet ist, braucht unternehmerisches Denken.

Aber nicht Profitmaximierung in immer wenigeren Händen, nicht persönliche Bereicherung auf Kosten der Gemeinschaft. Wohl aber gerechte dynamische Entlohnung und damit Sicherheit und Anerkennung für tatsächliche Leistungen. (Erst wenn alle gleich hoch stehen kann man sehen wer höher ragt. Bert Brecht)

Wir leben eben nicht in der ständig postulierten „Leistungsgesellschaft“. Wir leben in einer „Erfolgsgesellschaft“ in der der persönliche Erfolg am pekuniären, also geld- und gütervermehrenden Erfolg des Einzelnen festgemacht wird und nicht am Verdienst für das Gemeinwohl. Das geht gar nicht ohne das Denken: „Wie bescheiße ich die anderen, die Gemeinschaft, zu meinem Vorteil?“

Korruption im Kapitalismus zu bekämpfen hieße dem Durstigen zu sagen: du darfst alles in der Wüste machen, außer Brunnen graben.

Ideologisch betrachtet: Korruption entspricht dem kapitalistischen Denken und damit seiner Ideologie der persönlichen Bereicherung. Sie wiederspricht dem sozialistischen Denken, das ideologisch auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist.

So widerspricht der Faschismus, das Mafiawesen, das Oligarchentum, also die „gesetzlose Herrschaft der Reichen“, die ja den Kapitalismus nicht ablehnen, sondern nur in seine Extreme entwickeln, dem Kapitalismus und auch der Korruption nicht. Wohl aber dem Sozialismus.

Und umgekehrt widersprechen Stalinismus, Funktionärsherrschaft, Korruption, also die Bereicherung Einzelner, der sozialistischen Zielsetzung und kommunistischen Ideologie.

Faschismus ist ein selbst definierter Begriff der Faschisten, der der inneren eigenen Zielsetzung und Forderung entspricht. Das eigene Klientel wird dann als das gute, schaffende Kapital ausgegeben, die in- und ausländischen Konkurrenten und Gegner als böses, raffendes Kapital. Da hat sich in der Geschichte nix geändert.)

Stalinismus und alle seine Ausformungen sind fremddefinierte Begriffe, die von außen einen Zustand der Pervertierung, also Verdrehung  der kommunistischen Ideologie in ihr Gegenteil (kritisch richtig) beschreiben.

Terrorismus, der von der Einschüchterung der Menschen lebt, um sie durch Angst beherrschbarer zu machen, kann gar nicht einer Ideologie entsprechen, die dem Gemeinwohl dient. Wer Bomben zündet, die arbeitende, schaffende Menschen tötet, kann nicht links sein. So einfach ist das.

Oder wären die IS-Terroristen irgendwo dadurch aufgefallen, dass sie sich gegen den Kapitalismus aussprächen? Im Gegenteil: sie finanzieren sich - und werden finanziert – über das kapitalistische System. Und vertreten es auch, wenn auch krude religiös verbrämt. Finanziert von den wahabitischen sunnitischen Oligarchen. Von den Drogenmafias. (Über die Rolle des religiösen Denkens zur Festigung von autoritären Systemen habe ich andernorts schon geschrieben. Nur so viel: der Weg von einem Gott zu einem Führer ist sehr kurz.)

Was sich jetzt in den sogenannten Krisenherden bekämpft sind doch nur Oligarchen und deren „warlords“, die ihre kapitalistischen Bereicherungsinteressen gegen die der Gegner verteidigen, bzw. durchsetzen müssen.

Von Oligarchen in der Ukraine, Russland, Syrien, Saudi Arabien usw. und ihren Pendents in den sogenannten westlichen Staaten eine Lösung der Probleme zu erwarten ist genau so dumm wie zu erwarten, dass ein Finanzminister in Österreich, der selbst Multimillionär ist, sich für die Reichensteuer und die Interessen der Mehrheitsbevölkerung einsetzt. Das mag jetzt ein wenig weit hergeholt erscheinen, ist es aber nicht. Es ist das gleiche Phänomen, nur in einer kleineren „Softversion“.

Womit wir wieder „zu Hause“ angekommen wären.

De facto sind alle Parteien, die bei uns die Regierung und die Funktionäre stellen, bekennende Vertreter des kapitalistische Systems, also des Systems der institutionalisierten Korruption. Auch wenn die Einen sie ein wenig eindämmen und die Anderen behübschen und die Dritten sie für ihr Klientel verschärfen wollen. (Oder hätte man auch nur wenigstens irgend einen Rülpser der Rechten, der Straches, Le Pens, Wilfings etc. gegen den Kapitalismus gehört? Ganz im Gegenteil: sie sind alle z.B. explizit gegen eine Reichen-steuer!)

Was historisch verbrannt ist, Freunde, ist nicht die kommunistische Ideologie mit ihrem NÄCHSTEN SCHRITT der Entwicklung, dem Sozialismus, sondern ihre stalinistische Perversion in all ihren Facetten.

Jetzt kann man natürlich sagen: ich bin aber gegen alle Ideologien! Sehr schön. Dann nimmt man halt die herrschende Ideologie in Kauf und hat wenig von historisch gesellschaftlichen Entwicklungen verstanden. Deren fernes Ziel eine Welt ohne ideologisches Denken zu schaffen. Das könnte dann sowas wie ein Kommunismus sein. Gegeben aber hat es den noch nirgends, weder per definitionem, noch tatsächlich, auch wenn uns das kapitalistische und/oder  naive Denker immer wieder weißmachen wollen.

Die Zielsetzung der Bekämpfung des Kapitalismus hat sich leider nicht geändert. Man kann den Kapitalismus und seine Radikalisierungen nicht wegstreicheln, wegbeten, wegzaubern. Man (gendermäßig im Sinne von Mensch) muss ihn beseitigen. Und aus den Fehlern der Geschichte lernen. Das tun ja auch die Kapitalisten. Punktum.

 

 

Über den Kompromiss

 

Jeder mehr oder weniger denkende Mensch ist sich im Klaren darüber, dass er im täglichen Handeln Kompromisse schließen muss.

 

Die Katastrophe beginnt da für die Mehrheit der Menschen, wo sich der Kompromiss ins Denken einschleicht und dort manifestiert.

Dialektik hat nichts mit Kompromiss zu tun. Außer mit dessen Entlarvung und seiner „Weiterentwicklung“ in einem produktiven Sinn.

 

Gerade die im Handeln scheinbar so Kompromisslosen wie die Terroristen aller Couleur sind im Denken schon einen entscheidenden verheerenden Kompromiss eingegangen: ‚Um unser Ziel zu erreichen müssen wir eben den Tod vieler Unschuldiger in Kauf nehmen.’

 

 

Über die Hilflosigkeit des Terrorismus

 

Die wildgewordenen Kleinbürgersöhne, Muttersöhnchen, gebeutelt von ihren Versagensängsten (die natürlich gesellschaftlich bedingt und realistisch sind): sie werden Schulattentäter, IS-Kämpfer oder ganz gewöhnliche Terroristen.

Ohne die Meinhof wäre der Baader Copilot geworden...

 

 

Erkenntnis

 

Nichts ist schwerer zu erkennen als das Naheliegendste.

Erkenntnis bedarf der Distanz.

 

ICHgesellschaft

 

Schon seit den 68igern begleitet mich der Begriff der „Selbstfindung“, zur Zeit noch deutlicher in Angebotenen Seminaren als „Ichfindung“ bezeichnet.

Kann man eigentlich noch besser beschreiben um was es in unserer Bereicherungs- und Erfolgsgesellschaft geht? Um ein scheinbar unabhängiges, möglichst konkurrenzfähiges Ich.

Nur blöd, das man gerade in einer „Ich-Gesellschaft“ schnell mit und an dem eigenen Ich scheitern kann und dann gar nix mehr findet.

Lasst uns doch endlich für die „Anderenfindung“ was tun! Erst in einer Gesellschaft, die sich um das Gemeinwohl kümmert kann der Mensch sein Ich ausloten und zu seinen Fähigkeiten, also wenn man so will, seinem „Selbst“ finden. Kann sie/er sich Fehler erlauben, die zur Selbstfindung unerlässlich nötig sind! Kann er das Verständnis anderer Menschen für sich und seine Entwicklung erhoffen, die ja doch selbst auf die Anderen angewiesen sind!

Wir brauche das Miteinander für das Ich.

 

 

Demokratieentscheidung

 

Was passiert, wenn Alexis Tsipras und seine SIRISA scheitern?

„Na ja, nicht viel!“ werden die meisten denken. „Das ist halt so in der Demokratie.“

Genau das ist es, was ich fürchte, nicht. Es geht bereits UM die Demokratie. Denn was in und mit und gegen Griechenland abläuft ist bereits ein Kampf um den Sozialstaat. Um die demokratischen Rechte aller Bevölkerungsgruppen, um einen Kampf gegen die Diktatur der Oligarchen, Industriekapitäne und Finanzmärkte.

Ein Schuldenschnitt für Griechenland würde jeden Österreicher maximal ein Fünftel der Hypopleite kosten. Aber hier wie dort geht es um Geld, das ohnehin nicht der Bevölkerung zu Gute käme. Es geht bei den Schulden in erster Linie um Geld für die Banken und das unproduktive Finanzkapital.

Die Regierung in Griechenland hat den Mut an Programmen zur Armutsbekämpfung festzuhalten, was ihnen von der EU vorgeworfen wird. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Es geht also in Griechenland um viel mehr als um die Bezahlung von kreditfinanzierten(!) Bankschulden, es geht schlichtweg darum, ob sich die Raffgier des explodierenden Finanzkapitals durchsetzt, mit allen in der Ukraine, Syrien, Libyen, und jetzt im Jemen sichtbaren Folgen.

(Apropos Jemen: kann man deutlicher zeigen, wer die sunnitisch-wahabitischen IS-Terroristen unterstützt? Gegen die Stellungen des IS hat die sogenannte „Arabische Liga“, also die Vereinigung der Oligarchen, der Diktatoren des Reichtums, keine Kampfflugzeuge ausgeschickt. Gegen die angeblich oder tatsächlich vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen. Nicht, dass ich irgendwelche Sympathien für das iranische Regime hätte. Aber es geht doch auch hier wieder einmal um Konkurrenzkapitalismus: Das oligarchische Kapital der Saudis und ihrer momentan Verbündeten gegen die arabischen Konkurrenzkapitalisten. Und da kämpfen auch die IS-Terroristen auf Seiten der Saudis & Co.)

Wenn die SIRISA scheitert, scheitert auch eine der letzten demokratischen Hoffnungen auf eine sozial gerechte Welt. Und aus der daraus entstehenden Resignation werden fürchterliche Machtkämpf von kapitalistischen Emporkömmlingen und Oligarchen entstehen.

Griechenland ist das Fanal für den Wendepunkt zwischen Demokratie und der grenzenlosen uneingeschränkten Diktatur des Kapitals. (Noch haben wir ja eine durch demokratische Mitbestimmung gemilderte Form dieser Diktatur.)

Der HETA-Schuldenschnitt für die Hypo-Pleite bedeutet für die EU-Volkswirtschaften eine vielfach höhere Belastung, als sie ein Schuldenschnitt für Griechenland bedeuten würde. Und ist doch möglich!

Das zeigt schon, dass es bei Griechenland um den so oft geleugneten, von oben geführten Klassenkampf der Finanzoligarchie geht.

Der Schuldenschnitt würde nur die gerechte Wiedergutmachung für die aus Griechenland mit Finanztricks herausgepressten Gelder bedeuten.

 

(31. März 2015)

 

 

 

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MÄNNER UND FRAUEN

 

(Stark verkürzte und unzulässig verallgemeinerte, mit Vergnügen aufgezeichnete subjektive Erkenntnisse. Sei’s drum.)

 

* Männer und Frauen haben große Bereiche ihres Lebens, die für das andere Geschlecht unverständlich und unzugänglich sind. Der Unterschied ist nur, dass das Frauen weitgehend egal ist; Männern nicht.

Umgekehrt wollen Frauen durchaus verstanden werden. Das ist Männern wieder nicht so wichtig.

 

* Die meisten Männer sind immer irgendwie unterwegs, die meisten Frauen sind immer irgendwie sesshaft, auch wenn es äußerlich nicht so aussehen mag. Frauen richten sich immer irgendwie ein, egal wie lange oder wo sie angekommen sind. Das kann ein Abend in einer Disco sein oder ein Kaffeehausbesuch oder ein Besuch eines Kaufhauses. Den Handtaschen kommt da eine besondere Hausratsbedeutung zu.

Männer kommen nie an. Wenn sie wo eintreffen sind sie in Gedanken schon wieder weg.

 

* Frauen wollen begehrt werden, das bestimmt ihre Art zu lieben. Und ihre Versagens- und Verlustängste.

Männer wollen bewundert werden, das bestimmt ihre Art zu lieben. Und ihre  Versagens- und Verlustängste.

 

* Frauen haben ein hohes Beharrungsvermögen. Etwas einmal als für sie richtig Erkanntes ist sehr schwer durch andere Erkenntnisse zu verdrängen. Veränderung ist die Sache der Frauen selten. Dadurch sind Frauen in ihrer Lebensgestaltung auch viel stabiler.

Männer sind in ihrer Gesamtheit viel labiler, weil sie ihrer Sache nie so sicher sind, was sie andererseits für Neues offener macht. Männer sind aber dadurch auch viel leichter zu verunsichern und reagieren deshalb eher aggressiv auf gegensätzliche Meinungen und Erkenntnisse. Ist Beharrungsvermögen für die Lebensgestaltung eines Mannes gefragt artet es meist in schlimmste Rigidität aus. Was ja auch ein Ausdruck von brutal kaschierter Hilflosigkeit ist und wieder „Herrschaft“ herstellt.

 

* Frauen schauen sich die anderen Meinungen und Erkenntnisse durchaus interessiert an, reagieren aber kaum aggressiv, weil sie ja ohnehin bei ihrer Meinung bleiben. Ihr Fundament ist ja auch immer da wo sie gerade sind – siehe oben.

Weibliche Forscher arbeiten daher z.B. eher linear, horizontal, sicherheitsorientiert, während männliche Forscher für zufällige Entdeckungen auf Grund ihrer eher vertikalen, sprunghafteren, riskanteren Arbeitsweise viel offener sind.

 

*  Frauen lassen sich die Dinge gerne erklären, Männer wollen immer auf alles selber draufkommen.

Daher fragen Frauen viel eher nach einem Weg als Männer, was aber nicht bedeutet, dass sie sich weniger verirren. Frauen lesen aus diesem Grund auch eher Gebrauchsanweisungen oder Bauanleitungen, um dann, wenn die Dinge trotzdem nicht funktionieren sich an einen sogenannten „kompetenten“ Mann zu wenden, der ihnen das Gerät erklärt oder das Regal zusammenbaut.

Männer tun häufig so, als ob sie die Geräte auch so bedienen können oder das Regal auch ohne diesen blöden Wisch zusammenbauen könnten. Wenn das Gerät dann nicht funktioniert ist es eben ein Mist, oder wenn das Regal falsch zusammengebaut ist stimmt die Anzahl der mitgelieferten Bestandteile nicht oder die Frau ist schuld, weil sie sich immer wieder störend in den Bau eingemischt hat...

 

* Frauen sind gut im Weiterentwickeln einmal gefasster Erkenntnisse und können so auf Neues stoßen. Das ist sehr wichtig für die Grundlagenforschung.

Männer halten sich ungern bei einmal gemachten Entdeckungen auf und wollen gleich wieder was Neues finden. Daher vernachlässigen sie oft die Grundlagenforschung. Aber dafür haben sie ja dann die Frauen.

 

* Das Gegenteil von Herr ist Dame. Das Gegenteil von herrschen müsste also damschen und das Gegenteil von beherrschen bedamschen heißen. Selbstbeherrschung: Selbstbedamschung! Das geht gar nicht. Nicht einmal aus feministischer Sicht.

(„Dämlich“ ist etymologisch übrigens tatsächlich das Gegenteil von „herrlich“, aber das ist noch einmal eine andere Baustelle, an die wir jetzt nicht rühren wollen.)

Herrschen ist männlich. Das geht gar nicht anders. Nicht nur vom Namen her. Das beruht auf einer historischen Entwicklung die von den Hormonen und den Frauen mitgetragen und mitgestaltet wurde.

Krieg zu führen ist die radikalste Art zu reisen, sagte ein Freund. Natürlich auch die mörderischste, sage ich.

Männer sind historisch gesehen Krieger. Frauen wollen nicht unbedingt Krieger. Aber Frauen wollen „Sieger“ und keine „Verlierer“. Steinigt mich wenn das nicht stimmt. Selbst (oder gerade die?) emanzipierten Frauen wollen keinen Mann, dem sie sich überlegen fühlen. Da käme ja zumindest ihr Feindbild ins wanken.

Das muss sich ändern.

 

* Dominieren  ist das vom lateinischen Dominus (Herr des Hauses) abgeleitete  Lehnwort für beherrschen.

Da gibt’s aber sehr wohl substantiell eine weibliche Form: die Domina. Interessanterweise wird die aber bei uns im Zusammenhang mit sadomasochistischen Sexualpraktiken verwendet und da auch wieder mit beherrschen, bzw. mit Herrscherin in Verbindung gebracht, was etymologisch gar nicht so ein Mumpitz ist, da es ja nur die Kehrseite ein und derselben Herrschaftsmedaille beschreibt.

Dominus gibt’s dafür im allgemeinen Sprachgebrauch nur im kirchlich/lateinischen Bereich: der Dominus als vobiscum, Gott als oberster Hausherr sozusagen, mit uns. Himmlische Hausfrau, bzw. Domina, gibt’s keine. Maria ist es auch nicht, die darf nicht einmal zur Rechten oder Linken der spätchristlichen Erfindung der Dreifaltigkeit sitzen. Da sitzen nur Männer, wie sich’s gehört. Obwohl sie doch „unbefleckt“ war, was für die christlichen Schmutzfinken sehr wichtig ist. Sie war sozusagen sowas wie die erste irdische Leihmutter mit himmlischer in vitro fertilisation.

Und Josef, der himmlisch gehörnte Loser, bekommt den hierarchischen Platz in der Religionsgeschichte, der einem braven Verlierer zusteht: er verschwindet nach Betlehem einfach aus der Geschichte. Da gibt’s nicht einmal ein „aufgefahren in den Himmel“. Er war eben kein Siegertyp...

 

(17. März 2015)

AUS DER ZEIT GEFALLEN

 

Manchmal glaube ich, ich bin aus der Zeit gefallen.

Ich lebe ein Leben, das nicht in diese Zeit passt.

Ich liebe Dinge, die anderen völlig belanglos erscheinen.

Ich denke Gedanken, die keiner zu denken scheint.

 

Die Griechen zum Beispiel, höre ich, haben Schulden gemacht. Und Schulden müsse man zurückzahlen. Das sei doch selbstverständlich.

Dann denke ich an einen Bekannten, dessen Ansichten ich sehr interessant finde und der mir gesagt hatte, er stelle lieber Fragen als Antworten zu geben.

 

Und dann frage ich mich welche Griechen denn Schulden gemacht hätten?

Die, die jetzt ihre Arbeit und ihre Wohnungen verloren haben?

Die, die sich keinen Arztbesuch für ihre Kinder und sich mehr leisten können, weil sie kein Geld mehr haben und die Medizin auch zur Ware verkommen ist und die Mediziner zu Kaufleuten?

 

Und dann will ich doch Antworten haben. Und dann weiß ich doch, wer die Schulden gemacht hat. Und das Geld liegt in der Schweiz, in Luxemburg oder sonst wo.

 

Die EU ist, so wie unser Staat, eine Solidargemeinschaft, höre ich.

Da kann ich nicht einmal lachen.

Und dann bin ich wieder angekommen, in unserer Zeit.

 

(8. Februar 2015)

3sat – „Kulturzeit“ – Zu-Schauer-Reaktion

 

Danke Frau Andrea Meier!

 

Sie haben gleich in der Anmoderation Alexis Tsipras als „linksradikal“ bezeichnet. Journalisten von 3sat sollten eigentlich so viel Qualität haben ihre eigene Meinung der objektiven Information unterzuordnen.

Und den Menschen ermöglichen sich ihre eigene Meinung zu bilden.

Und Sie sollten in der Lage sein Politikern zuzuhören. Tsipras will nach eigener Aussage die EU von innen erneuern. Das mag ja an sich eine Sysiphusarbeit sein, aber doch kein linksradikales Unterfangen.

Wenn man die Verwirrungen in der „Solidargemeinschaft“ EU, die auf den verschiedenen Eigeninteressen beruhen, beobachtet, dann weiß man, dass es hoch an der Zeit ist die EU zu erneuern, wenn man sie retten will.

Und Sie sollten auch endlich in der Lage sein zu erkennen, wie die sogenannte „Wirtschaft“ die Politik erpresst. Wie sie engagierte Politiker, so es sie überhaupt noch gibt, mundtot machen kann.

Aber vielleicht haben Sie recht mit der Bezeichnung linksradikal. (Ich freue mich schon, wenn Sie in Zukunft alle, die für Wirtschaftsliberalismus eintreten als „rechtsradikal“ bezeichnen werden. Und bei Moderationen oder Beiträgen z.B. als Ausgleich zum „kommunistischen“ Nordkorea, das bestenfalls so kommunistisch ist wie das "Dritte Reich“, vom - was weiß ich -„kapitalistischen“ Amerika reden. Schöne Grüße in diesem Zusammenhang an ihre Kollegen.)

„Radikal“ heißt, wie sie ja sicher wissen, „an die Wurzel gehend“. No das sollte man/frau doch sein, wenn es um die Beseitigung von Missständen geht, oder? 

Und da gibt’s eben noch eine Verwechslung: die von „radikal“ und „extrem“. Ein Radikaler muss, siehe oben, nicht extrem sein. Sondern konsequent.

Ein Extremist steht, auch wenn er das selber für links halten mag, immer rechts - wenn Sie die Geschichte studieren, was Sie ja sicher tun. Jemand der z.B. Bomben legt, die arbeitende Menschen töten, kann gar nicht links sein…

Wenn also der „linksradikale“ Tsipras zeigt, dass er sich gegen die politikbeherrschenden Großkonzerne durchsetzen kann, Chapeau!!

Wenn nicht, also wenn sich die Erpressung der supranationalen rechtsradikalen Konzerne durchsetzt, haben es wenigsten ein paar versucht dagegen anzutreten und das Rad der Geschichte mit Sicherheit ein Stück weitergedreht.

Schon jetzt geht die „rechtsradikale“ Politik der „Wirtschaft“ plötzlich nicht mehr so weiter wie gewohnt und die Sicht auf die scheinbar so unverrückbaren Wirtschaftsdogmen verändert sich. Wird verändert von Tsipras und seinen Mitstreitern.

Freuen wir uns doch, dass was weitergeht. Und Sie brauchen auch dann keine Angst um Ihren Job zu haben.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr treuer Kulturzeitschauer

Heinz Fischer

 

(5. Februar 2015)

I

„FREIHEIT STATT SOZIALISMUS“

 

Staunend stehen die Bildungsbürger vor Entdeckungen alter Hochkulturen. Neue großartige kunstvolle Bauten 11000 Jahre vor unserer Zeit in Europa, lange vor Stonehenge, auch ein unglaubliches Zeichen von Hochkultur, wurden gerade entdeckt. Jahrtausende vor unserer Zeit in der sudanesischen Wüste eine unglaubliche Hochkultur mit unglaublichen Bauwerken entdeckt. Ja dürfen die Neger das? Alte Weltkulturerbestätten, wo heute nix mehr ist. Die Weltwunder! Was gibt’s dort heute noch von Weltkultur? Der Irak! Heute werden von unseren kapitalistischen Freiheitskämpfern die jahrtausendealten Stätten verschwundener Kulturen endgültig zerstört.

Alle stehen immer vor den Ruinen und fragen sich, wies das gegeben hat, dass „damals“ so großartige Bau- und Kunstwerke geschaffen wurden. Wie gibts denn sowas? Manche Sachen wurden doch gerade erste vor ein paar Jahrhunderten oder Jahren bei uns erfunden. Bzw. nacherfunden.

 

Meine Frage ist eine ganz andere: Was hat diese Kulturen vernichtet?

Wie ist es möglich und was ist der Grund, dass sich immer wieder die Kulturlosigkeit, die mörderische, durchsetzt.

Warum feierte in der Geschichte offensichtlich die Dummheit immer wieder so nachhaltige Triumphe, dass nachher buchstäblich kein Gras mehr dort wächst, wo sie einmal gewütet hat.

Und was können wir aus dieser Geschichte lernen? Ich meine natürlich die Menschen, die aus der Geschichte was lernen wollen.

Es ist immer wieder ein Sieg der unmenschlichen Macht- bzw. Profitgier.

Es ist immer wieder ein Sieg der empathielosen Kulturfeindlichkeit.

Es ist immer wieder ein Sieg der Dummheit.

 

Es ist dumm die Welt und ihre Menschen auszubeuten, weil es im Endeffekt bei der Effektivität der heutigen Ausbeutungsmechanismen das Ende beider bedeutet.

Es ist dumm grenzenloses Wachstum der Wirtschaft anzustreben, weil es die Welt und ihre Menschen zerstören MUSS und vorübergehend nur einer immer kleiner werdenden monströsen, geltungs-, macht- und gewinngeilen Oberschicht dient. Einer Gruppe von Phagozyten, die in totaler Verkennung ihrer Lage den Ast absägt, auf dem sie sitzt.

 

Allerdings müssen dafür nicht einmal mehr Hochkulturen zerstört werden, weil es die gar nicht mehr als singuläre Erscheinungen gibt.

Da genügt es schon im konkurrenzkapitalistischen Sinn andere Staaten mit Demagogie und gleichgeschalteter Presse zu vernichten.

Ein Beispiel: Chiles Regierung unter dem Linkssozialisten Allende wurde zerstört indem das Weltkapital es schaffte den internationalen Kupferpreis bis zur Zerstörung der chilenischen Wirtschaft über Jahre auf ein Viertel(!) seines Preises zu senken. Und nine/eleven, allerdings 1973, schlugen die Vertreter des „westlichen“ Kapitals dann zu. Chile war zu 90% vom Kupferexport abhängig.

No und wie machen wir das wohl heute mit dem Erdöl? Beim Tanken freut’s den kleinen Mann.

Ich bin ja ganz gerührt, wie unsere „westlichen“ Politiker plötzlich Revolutionen unterstützen. Allerdings nur, wenn die „Revolutionäre“ die konkurrenzkapitalistischen Interessen ihrer Geldgeber unterstützen. Und dafür geben dann irregeleitete „Freiheitskämpfer“ ihr Leben hin, weil sie glauben für ihre Freiheit zu kämpfen und nicht für das „westliche“ Kapital. Ich habe immer noch eine Aussage meines Vaters, SS-Sturmbannführer Fischer, im Ohr, der bei der kämpfenden Truppe gegen die Sowjetunion war: „Es ist schlimm, wenn man glaubt man kämpft für seine Heimat und dann draufkommt, dass man nur für die Wirtschaft gekämpft hat.“ Leider blieb diese späte Erkenntnis folgenlos.

 

Weil das syrische, das ägyptische, das lybische, das irakische, das russische usw. Kapital eigen Wege geht, seine eigenen Interessen vertritt, muss es bekämpft werden. Nicht weil es natürlich seine eigene Bevölkerung ausbeutet und knechtet. Das wirft dann eine gleichgeschaltete Medien“landschaft“ den assadschen, putinschen, husseinischen usw. Ausbeutern multimedial vor, um von den eigenen Interessen und dem eigenen weltzerstörerischen und menschenverachtenden Kapitalinteressen abzulenken. Oder glaubt tatsächlich irgend ein denkender Mensch, dass es den EU-, oder US-Granden um Freiheitsrechte der Bevölkerungen ginge? Es geht nur um die grenzenlosen Freiheitsrechte ihrer Kapitalisten, sonst um gar nix.

 

Das ist der Freiheitsbegriff, den der Kapitalismus geprägt hat, mit dem Schlachtruf: Freiheit statt Sozialismus.

 

Das einfachste Mittel für die Manipulation von Menschen ist Angst. Existenzangst. Versagensangst. No woher kommt denn die im Kapitalismus? Von den Muslimen? Den Türken? Den Russen? Gar den Griechen?

Es ist einfach nur Konkurrenzkapitalismus, der sich in unseren Krisen widerspiegelt, Freunde, und sonst gar nichts. Es ist Konkurrenzkapitalismus, wenn der Multimilliardär Bin Laden auf unmenschliche Weise das WORLD Trade Center seiner Konkurrenten zerstören lässt.

Es ist die selbe menschenverachtende Haltung, wenn das Großkapital Regenwälder vernichten oder das Leben der Ärmsten unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen, wo auch immer das „westliche“, oder anderes Kapital regiert, zerstört.

 

ANGST, das ist der Treibstoff des Kapitalismus.

ANGST lässt Jugendliche zu IS-Kämpfern werden.

ANGST benützen die Konkurrenzkapitalisten in der Ukraine und in Russland.

 

Die Achse des Bösen liegt zwischen den Superkonzernen und sonst nirgends.

Es ist die Achse der Dummheit, der Profitgier, der Empathielosigkeit, des Wachstumsirrsinns, der Ignoranz, der Menschenverachtung und der Kulturlosigkeit.

 

Und die Zensorschere sitz gleich neben der Angst in den Köpfen. 

 

ANGST vor Existenzverlust, Versagen und Knechtung können wir nur besiegen, wenn wir deren Ursachen besiegen. 

 

Ich fürchte dafür ist es zu spät.

 

(27.Jänner 2015)

Je Suis

un homme

 

Was ist die Sehnsucht der Menschen in unserer entsolidarisierten „Solidargemeinschaft“? Gemeinschaft, Miteinander, Verständnis, Schutz.

Auch wenn sie subjektiv einen anderen Eindruck haben mögen.

Auch wenn jetzt der eine oder die andere spöttisch lächeln mögen.

 

Die Islamisten zum Beispiel, allen voran der wahabitische IS, leben genau von diesen Sehnsüchten. Eine ihrer Doktrinen besagt, dass die Muslime wie EIN KÖRPER seien; wenn im Irak zB. ein Muslim getötet würde spüre das ein Muslim bei uns wie einen Schnitt in seine Hand. Die Islamisten bieten ihren Mitgliedern Schutz und Gemeinschaft. Wenn sie gemeinsam morden sind sie stärker als ihre Ängste. Und wenn sie sterben kann ihnen erst recht nichts passieren, dann kommen sie nämlich in die Gemeinschaft des Himmels.

Mit dem selben Mechanismus haben die Christen die Kreuzzüge und die Inquisition betrieben. Und das Märtyrertum mit der Belohnung im Himmel ist keine Erfindung der Muslime.

Und es war und ist der perverse Mechanismus der faschistische oder faschistoide Vereinigungen zusammenhält. Hooligans genau so wie Motorradgangs.

Es ist der selbe perverse Mechanismus mit dem die Mafiosi ihre Gemeinschaften zusammenhalten.

Es ist aber auch der harmlose Mechanismus der Hobbygemeinschaften, der Fanclubs zusammenhält.

 

Und sozusagen als positive Demonstration der menschlichen Kraft des Miteinander, der Empathie sehen wir z.B. die Massendemonstrationen nach den Charlie-Attentaten oder gegen Pegida, die nicht vom „Gegen“ getragen sind, sondern vom „Für“ für eine menschliche Gemeinschaft.

Aber auch die kleinen, lokalen Organisationen, die sich für die Integration und Unterstützung von Migranten oder Kriegsflüchtlingen einsetzten. Die das dumme Geschwätz von den „Wirtschaftsflüchtlingen“ ignorieren und entlarven. „Wirtschaftsflüchtlinge“, das sind z.B. Großkonzerne, die ihre Produktion in Billiglohnländer auslagern.

 

Die Menschen sind Tiere, die auf Gemeinschaft angewiesen sind. Ob das dem Einen oder der Anderen passen mag oder nicht. Es gibt kein Handeln, keine Entwicklung, kein Denken ohne Gemeinschaft. Nicht einer der großen anscheinend so singulären Denker der Vergangenheit und der Gegenwart, die einsam auf ihrem Olymp thronend ihre Gedanken formulieren und absondern tut dies ohne ein imaginäres Gegenüber.

 

Auch ich, der ich nicht zu den großen Denkern gehöre, schreibe dies jetzt für imaginäre Leser.

Kein Mensch kann für sich alleine denken, auch wenn er dies glauben mag. Alleine wäre das Formulieren von Gedanken völlig sinnlos. Da würden zum Überleben Instinkte genügen.

 

Ein menschliches Leben ohne Gemeinschaft ist nicht nur sinnlos, es hätte sich nie entwickelt.

Unsere entsolidarisierte Gemeinschaft, die nur dem Profit und dem Einzelgänger dienen soll, aber von der Gemeinschaft der entsolidarisierten Ausgebeuteten lebt, produziert faschistische oder faschistoide Vereinigungen wie die rigide Sexualmoral Pornografie, Perversion und sexuelle Gewalt produziert.

 

Die einzige Chance diesen Mechanismen zu entkommen ist die Besinnung auf das, was die Menschen zu Menschen macht: das Miteinander. Ohne radikale, das heißt an die Wurzel gehende, Veränderung unserer auf Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruhenden Gesellschaft wird das nicht möglich sein.

 

(17. Jänner 2015)

 

  JE SUIS      -      JE SUIS

 UN HOMME   -    CHARLIE  

 

 

TERROR

 

Terror heißt Angst.

Terroristen haben wahnsinnige Angst.

Sie bekämpfen ihren Wahnsinn indem sie Angst machen.

Wenn sie Angst und Schrecken verbreiten sind sie stärker als ihre Angst.

 

 

WAHNSINN

 

Der Wahnsinn ist nicht aufzuhalten.

Es ist der Wahnsinn, den unsere Gesellschaftsordnung produziert.

Es ist der Wahnsinn einer Gesellschaftsordnung über der in großen Lettern steht: BEREICHERT EUCH.

Es ist der Wahnsinn einer Gesellschaftsordnung in der nur der Erfolg zählt.

Es ist der Wahnsinn der aus der Angst wächst zu versagen.

Es ist der Wahnsinn der aus Angst vor Rücksichtslosigkeit, Skrupellosigkeit und Gier wächst.

Es ist der Wahnsinn unseres Alltags, genährt von den Bildern des Grauens in allen Medien.

Es ist der Wahnsinn des alltäglichen Terrors.

Es ist der Wahnsinn die Hilflosigkeit, die Angst mit Religionen zu bekämpfen.

Religion ist Opium des Volkes.

 

 

RELIGION als Rechtfertigung des Terrors

 

Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d'honneur, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt.

 

.....Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und im anderen die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. Die Aufhebung der Religion, als des illusorischen Glücks des Volkes, ist die Forderung seines wirklichen Glücks: Die Forderung, die Illusionen über seinen  Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

 

Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion ent-täuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein ent-täuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.

 

..... Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, im Dienste der Geschichte, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.

 

..... Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch einen Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln.

 

Karl Marx 1844 in „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“

 

 

ANGST

 

Terroristen sind tatsächlich religiös. Aber nicht im Sinne der Religionen, die sie zu vertreten glauben.

Ihre Religion heißt Angst.

 

(17. Jänner 1015)

NACHTGEDANKEN

(wem nützt das?)

 

Wenn ich ein Waffenproduzent wäre, der Umsatz braucht und Menschen, die einander mit Waffen bekämpfen und nicht mich, ich würde schauen, dass sie zu diesen Waffen kommen.

 

Wenn ich ein Großunternehmer wäre, der in der ganzen Welt Menschen ausbeutet, würde ich schauen, dass sie auf einander losgehen, statt auf mich.

 

Wenn ich mein elendes Leben als Politikant führen müsste, weil ich Macht und Einfluss brauche, weil ich sonst nichts anzubieten habe, würde ich trachten, dass die Polizei und die Geheimdienste, die mich schützen, aufgerüstet werden.

 

Wenn ich als Großkapitalist meinen Einfluss in anderen Ländern erhöhen und dort meine Konkurrenz ausschalten will, weil die partout auf ihren nationalen Ausbeuterinteressen beharrt, dann werde ich sicher nicht nein sagen, wenn Aufständische gegen dieses Regime  bei mir um Unterstützung anfragen.

 

Wem nützt der Terror?

Doch nicht den Terroristen, sondern nur denen, die nach mehr bewaffneten Sicherheitskräften und nach mehr Überwachung schreien.

 

Wem nützen die Krisen auf der Welt?

Doch sicher nicht der Bevölkerung.

 

„Wem nützt das?“ ist bei allen angstmachenden Großereignissen auf der Welt die entscheidende Frage.

 

(20. Jänner 2015)